WORLD WAR Z

Ein Propagandafilm

An einem ganz normalen Alltagsmorgen bricht eine Zombie-Epidemie über die Stadt Pittsburgh herein.

Der ehemalige UN-Mitarbeiter Gerry Lane (Brad Pitt), der mit seiner Familie mit dem Auto in der Stadt unterwegs ist, beobachtet auf ihrer rasanten Flucht durch die Stadt, wie ein von einem Angreifer Gebissener sich innerhalb von Sekunden mit der Infektion ansteckt und seinerseits auf Menschen in seiner Umgebung losgeht und versucht, sie zu beißen.

Lane und seiner Frau Karen (Mireille Enos) gelingt es, mit ihren Kindern in ein Gebäude in einer Hochhaussiedlung zu fliehen, von wo sie eine Einheit des Militärs am nächsten Tag abholen soll. Lane steht in Kontakt mit seinem ehemaligen Vorgesetzten Thierry Umutoni (Fana Mokoena), der ihn bittet, sich zur Verfügung zu stellen, da Lane Dank seiner Erfahrung in diversen Einsätzen für die UNO in Krisengebieten geradezu prädestiniert sei für den anstehenden Kampf gegen die Infektion.

Im Hochhaus kommen die Lanes für die Nacht bei einer Familie unter. Diese weigert sich am Morgen, mit den Lanes auf das Dach zu kommen, sie wollen bleiben, wo sie sind. Auch auf Gerrys eindringliche Worte hin, lassen sie sich nicht überzeugen. Als es auf der Treppe zum Dach zu einer Auseinandersetzung mit bereits Infizierten kommt, kann der junge Tomas (Fabrizio Zacharee Guido), Sohn der Familie, der den Lanes gefolgt ist, Gerry in letzter Sekunde vor einem Biss bewahren. Tomas fliegt mit den Lanes auf ein Schiff der U.S. Navy.

Auf dem Schiff erfährt Gerry, daß die Seuche weltweit ausgebrochen ist und nicht nur Wahington, D.C., nicht mehr erreichbar ist, sondern auch die meisten anderen Hauptstädte der Welt von aller Kommunikation abgeschnitten sind.

Nach anfänglichem Zögern erklärt Gerry sich bereit, eine Einheit aus Special Forces und dem Arzt und Wissenschaftler Andrew Fassbach (Elyes Gabel) zu begleiten. Sie sollen nach dem Ursprung der Seuche, wenn möglich dem Patient 0, suchen.

Da die ersten Ausbrüche aus Südkorea gemeldet wurden, fliegen sie zunächst nach Asien auf eine U.S.-Militärbasis. Kaum dort angekommen, werden die Männer angegriffen und in letzter Sekunde von einer noch vor Ort befindlichen amerikanischen Seals-Einheit gerettet. Allerdings kommt Fassbach bei der Aktion ums Leben. Die Seals können ihnen zwar keinen Patienten 0 bieten, da die zuerst Infizierten in einer Feuersbrunst verbrannten, doch sie wissen, daß die Zombies durch Geräusche angelockt werden und eine Infektion in Sekundenschnelle vor sich geht. Dies bestätigt, was Gerry in Pittsburgh beobachten konnte. Zudem befindet sich ein CIA-Agent in der Obhut der Seals. Dieser Mann, ein Deutscher namens Gunter Haffner (David Morse) erklärt, Lane und seine Leute sollten in Israel suchen, denn die Israelis hätten schon Wochen vor dem Ausbruch der Seuche damit begonnen, eine hohe Mauer um Jerusalem zu bauen und die Stadt somit zu schützen.

Nach einer waghalsigen Aktion, bei der das Flugzeug frisch betankt werden muß, gelingt es dem Piloten, die Maschine, die nur noch Gerry als Passagier befördert, in die Luft zu bringen. Sie fliegen gen Jerusalem.

Dort angelangt, kann sich Gerry mit führenden Offizieren des Mossad ins Vernehmen setzen. Diese wissen allerdings nichts über den Ursprung der Seuche. Sie haben vor Monaten Funksprüche des indischen Geheimdienstes abgefangen, die aber auch anderen Dienste zur Verfügung gestanden hätten, und in denen die Rede von Zombies gewesen sei. Der Mossad habe diese Warnungen ernst genommen. Andere Dienste offensichtlich nicht. Gerry sieht die Mauern, die Jerusalem umgeben und gegen die ununterbrochen Horden Infizierter anbranden. Er wird Zeuge, wie Gerettete, die durch eine der Schleusen in Sicherheit gebracht wurden, feiern. Dabei singen und tanzen sie. Gerry warnt die Mossad-Offiziere, daß der dabei entstehende Lärm die Zombies anziehe und geradezu rasend mache. Und wirklich gelingt es den Infizierten, die Mauern zu überwinden. Jerusalem fällt.

Auf einer wilden Flucht durch die engen Gassen der Altstadt, gefolgt von der Soldatin Segen (Daniella Kertesz), gelingt es Gerry, den Zombies ein ums andere Mal zu entkommen. Schließlich werden die beiden jedoch in die Enge getrieben und Segen wird gebissen. Geistesgegenwärtig ergreift Gerry ihr Messer und hackt ihr die Hand ab, die gebissen wurde. Dann fliehen die beiden zum Flughafen in der Hoffnung, mit einer der im Minutentakt startenden Maschinen zu entkommen. An Bord einer weißrussischen Maschine gelingt die Flucht.

Hier kann Lane Segen erste medizinische Notfallversorgung geben. Er zermartert sich das Gehirn, weil er sowohl in Pittsburgh, als auch in Jerusalem beobachten konnte, wie einzelne Menschen von den Zombies verschont wurden. Ihm gehen die Auslassungen von Fassbender durch den Kopf, der im Flugzeug nach Südkorea anmerkte, daß die Natur sich gern zeigt, eine Angeberin sei und dennoch immer eine Lösung böte. Man müsse begreifen, daß vermeintliche Schwäche oft gerade jene Lücke biete, durch die Rettung gelange. Lane wird klar, daß die, die von den Zombies verschont wurden, krank waren. Die Zombies in ihrem Hunger suchen nach gesundem Futter, Krankes nehmen sie im Grunde nicht wahr. Lane lässt sich im Cockpit mit Umutoni verbinden und erklärt ihm seine Theorie. Das letzte noch funktionierende Labor der WHO befindet sich in Wales. Lane lässt die Maschine nach Cardiff umleiten.

Doch während des Flugs bricht auch an Bord der Maschine die Seuche aus. Lane und die noch nicht infizierten Passagiere kämpfen einen aussichtslosen Kampf gegen die anstürmenden Zombies. Als es scheinbar keine Rettung mehr gibt, zündet Lane eine Handgranate, die an Segens Gürtel hängt. Er sprengt ein Loch in die Außenwand des Flugzeugs, wodurch Unterdruck in der Kabine entsteht und alle – Zombies und Passagiere – aus der Maschine gesaugt werden. Lane schafft es in letzter Sekunde, sich und Segen anzuschnallen. Das Flugzeug stürzt ab und zerbirst irgendwo in einem Wald bei Cardiff.

Da auf dem Navy-Schiff davon ausgegangen werden muß, daß alle an Bord Befindlichen tot sind, wird Karen und den Kindern das Aufenthaltsrecht an Bord entzogen. Mit einem Hubschrauber werden sie in eine sogenannte „Sicherheitszone“ im kanadischen Nova Scotia geflogen.

Lane und Segen haben jedoch überlebt. Sie schleppen sich zu der WHO-Forschungseinrichtung durch. Lane erklärt den dort verbliebenen Wissenschaftlern seine Theorie. Doch das Labor, in dem all die tödlichen Viren aufbewahrt werden, mit denen man die noch nicht Infizierten impfen könnte, um sie direkt danach mit einer Schutzimpfung zu immunisieren, befindet sich in einem Trakt des Gebäudes, der längst von Zombies überlaufen wurde. Lane nimmt erneut Kontakt mit Umutoni auf und erfährt von ihm, wo seine Familie ist. Wütend, daß man sie vom Schiff gebracht hat, entschließt er sich, den Versuch zu wagen, in das Labor zu gelangen.

Mit Segens Hilfe kämpft er sich bis dorthin vor. Doch dann findet er sich von Zombies umringt. Also injiziert er sich eine ihm nicht bekannte Krankheit und tritt den Zombies entgegen. Er behält recht: Sie nehmen keine Notiz von ihm. Zurück bei den Wissenschaftlern wird ihm ein Gegenmittel geimpft.

Es wird ein Virus entwickelt, das Menschen injiziert wird, um sie für Zombies unsichtbar zu machen. In TV-Berichten von überall auf der Welt wird berichtet, daß die Mittel wirken und der Kampf gegen die Zombies nun erst begonnen habe.

Gerry Lane wird nach Nova Scotia geflogen, wo er seine Familie und Tomas wiedertrifft.

Selbst die Feuilletons gestandener Tageszeitungen[1] schreiben es dieser Tage: Der Zombie droht seinen Konkurrenten im Wiedergänger-Milieu, dem Geist und dem Vampir, den Rang abzulaufen. Er sei als Figur zu den Zeitläuften nützlicher, da sich in ihm in seiner A-Historizität, seiner Ich-Bezogenheit, seinem ewigen Hunger bei gleichzeitig mangelndem Bewußtsein, der Konsument im Endstadium des Kapitalismus perfekt spiegeln könne. Ganz so neu ist die Lesart des fleischfressenden Untoten nicht, wenn man sich an George A. Romeros DAWN OF THE DEAD (1978) erinnert, in dem es die Wiedergänger wie magisch angezogen zu einem Einkaufszentrum zog. Als erlägen sie quasi einer letzten, offenbar sehr starken Erinnerung aus ihrer Zeit als Lebende. Da Romero und seine Ausstatter weitestgehend darauf verzichteten, ihre Untoten in Grabgewänder zu kleiden, diese vielmehr in Alltagskleidung auftreten ließen – in Jeans und T-Shirts, Anzügen und Arbeitsbekleidung – wurde dieser Aspekt ironisch bis zum Letzten ausgereizt. Der kapitalismus- und konsumismuskritische Aspekt begleitete die hungrigen Allesfresser ab da für geraume Zeit.

Was die Untoten Untote sein ließ, der Grund für all das Fressen und Gefressen-Werden, wurde eigentlich nie so recht erforscht. Da man sich allerdings bei Zombiebissen ansteckt und recht schnell selbst zum Beißer mutiert, kann man durchaus von etwas Infektiösem ausgehen. Kapitalismus als globale, höchst ansteckende Erkrankung – eine schöne Lesart. Wie die mittlerweile alles andere als positiv konnotierte Globalisierung, die als Ausbreitung von Waren und Lohndumping allüberall betrachtet wird, so breitet sich auch die Zombieseuche über die gesamte Welt aus und  hinterlässt nichts als verbrannte Erde. Armageddon. Eine sehr linke, also säkulare Interpretation, wenn man so will, die mit der Zeit ihrer Entstehung – eben dem Ende des „roten Jahrzehnts“ der 1970er Jahre – korreliert. Spätere Zombie-Apokalypsen boten weniger Interpretation und ließen damit mehr Spielraum für selbige. Militärische Experimente, die aus dem Ruder gelaufen sind? Die Rache Gottes, der eine weitere Plage schickt? Kosmische Zusammenhänge? Meist war es egal, was die Seuche auslöste, interessanter war die Beobachtung einer Gesellschaft unter Dauerbedrohung, die sich auf archaische Zirkel zurückgeworfen sah, bar aller zivilisatorischen Errungenschaften. Außer Waffen, meistens.

2006 – die hungrigen Untoten hatte es längst auch in die Graphic Novels und die Literatur verschlagen – erschien der spätere Bestseller WORLD WAR Z: AN ORAL HISTORY OF THE ZOMBIE WAR (Dt.: WORLD WAR Z – WER LÄNGER LEBT, IST SPÄTER TOT; 2010) von Max Brooks. Der Autor hatte zuvor einen eher humoristisch angelegten ZOMBIE SURVIVAL GUIDE (2003) erstellt, den er mit WORLD WAR Z fortführte. Weniger humoristisch angelegt, besteht das Buch aus von einem UN-Mitarbeiter gesammelten mündlichen Berichten über den gerade zuende gegangenen „Zombie-Krieg“, den die Menschheit unter enormen Verlusten, aber letztlich erfolgreich ausgefochten hat. Die Idee ist gut, zumal Brooks sich vergleichsweise ernsthaft mit den sozialen und gesellschaftlichen Folgen eines solchen Krieges auseinandersetzt. Recht schnell wurde eine Verfilmung angedacht, die Paramount Pictures sicherten sich die Filmrechte und gaben die Produktion dann an Plan B Entertainment, eine Produktionsgesellschaft, die Brad Pitt gehört, weiter. Mit dem Star in der Hauptrolle wurde das Buch verfilmt. Allerdings haben Film und Vorlage kaum mehr etwas miteinander zu tun. Wo Brooks keine geschlossene Geschichte bietet, sondern mit seinen Interviews mit Überlebenden einen ganzen Kosmos von Kurz- und Kleinstgeschichten entwirft, folgt WORLD WAR Z (2013) einer kohärenten Story. Einer sehr konventionellen Story noch dazu.

Man kann den Film als Film besprechen, wobei er im Großen und Ganzen weniger gut weg kommt. Regisseur Marc Forster bietet weniger den üblichen Zombie-Horror, als viel mehr einen Katastrophenfilm, der mehr mit dem Ebola-Drama OUTBREAK (1995) als bspw. mit Romeros Zombie-Filmen zu tun hat. Die Zombies sind hier auch keine langsam vor sich hin trottenden Leichen, sondern extrem schnell sich bewegende Infizierte, die sofort nach ihrem Ableben, teils aber auch direkt nach Infizierung, auf ihre Mitmenschen losgehen. Was in OUTBREAK die unsichtbaren Viren sind, die sich durch Husten oder Niesen verbreiten, sind in WORLD WAR Z die Infizierten selbst, die unmittelbar ihre Umgebung angreifen. Anders als herkömmliche Zombie-Filme verzichtet WORLD WAR Z weitestgehend auf explizite Gewaltdarstellungen und Splatter-Szenen. Dafür hinaus bietet er jede Menge Action. Wie in einem Video-Spiel wird der Held des Films an verschiedenen Orten in unterschiedliche Gefahrensituationen gebracht, in denen er sich der Zombies erwehren muß.

Dieser Held – der von Pitt gespielte UN-Ermittler Gerry Lane – wird nach einer privaten Auszeit reaktiviert, als eine plötzliche Zombifizierungswelle die USA überrollt. Er und seine Familie werden auf ein Schiff der U.S. Navy evakuiert, von wo aus das Militär sich bemüht, der Krise Herr zu werden. Auf der Suche nach dem berühmten Patient 0, der auch in anderen Viren-Thrillern schon zu Ruhm und Ehren kam, jettet Lane um die halbe Welt, nach Südkorea, Jerusalem, ins walisische Cardiff und schließlich nach Nova Scotia, wo er seine Familie wiedertrifft. Forster schafft allerlei spannende Szenarien – u.a. den Ausbruch einer Zombifizierung an Bord eines Flugzeugs, in das sich Lane und eine Bekannte flüchten konnten, und das Lane schließlich zum Absturz bringt. Die ganze Machart – das Episodenhafte des Films, seine Massenszenen, die vor allem CGI-basiert sein dürften, die Abstürze, Explosionen und zerstörten Städte – erinnert ihrerseits eher an Katastrophenfilme, denn an Horrorschocker. Als er in die Kinos kam, waren eher seine Produktionsbedingungen, die sich inklusive des Werbeaufkommens auf bis zu 400 Mio. Dollar belaufen haben sollen, im Gespräch, als das, was er inhaltlich und formal wirklich zu bieten hat. Da der Film nur leidlich spannend ist und bestenfalls mit  seinen Schauwerten und seinen Massen-Spektakeln überzeugt, verwundert das nicht. Er mutet trotz seines gewaltigen Budgets und seines Stars wie Massenware an, kaum unterscheidbar von anderen Filmen, in denen die Welt ihrem Untergang zugeführt wird und die gerade in den ersten Jahren nach der Jahrtausendwende Konjunktur hatten.

Was wirklich interessant anmutet an WORD WAR Z und was ihn zwar nicht heraushebt, aber doch einer genaueren Untersuchung wert macht, ist die Darstellung der Zombies, bzw. die Konnotation, die der Film ihnen gibt. Nichts ist  hier geblieben vom Zombie als hirnlosen Konsumenten, kein Fitzelchen der Romero´schen Ironie, weit und breit keine Reflektion auf irgendein Verhalten des Zuschauers, das hier gespiegelt würde. Diese Zombies – gerade in der Geschwindigkeit, mit der sie sich verwandeln und angreifen, in ihrer anonymen Bedrohlichkeit, in der man sie als Individuen nicht mehr wahrnehmen kann, so schnell sind sie an der Kamera vorübergehuscht – sind vielmehr Verwandte des Flüchtlings, der Europa, die USA, überhaupt die westliche Welt zu überschwemmen droht. Interessanterweise sind die Orte, die Lane abklappert auf seiner Suche nach Patient 0, alles Orte, die eher westlich konnotiert sind, bzw. mit der westlichen Lebensart verbunden werden können, auch Süd-Korea. Zwar gibt es – Forster setzt intensiv auf das Stilmittel der Mockumentary, also falscher Dokumentaraufnahmen, Live-Reprotagen der TV-Sender aus verschiedenen Staaten – Berichte, daß auch Moskau und Kapstadt angegriffen würden, doch bleiben dies im Kontext des Films eben nur verzerrte Bilder der Fernsehstationen. Der Film sollte wohl mit einem Show-Down in Moskau enden, dieses Finale wurde dann aber fallen gelassen. So bleiben Bilder von westlich geprägten Städten, die von Fremdartigen überrannt werden.

Besonders explizit wird dies in der Jerusalem-Episode. Hier wurden hohe Mauern errichtet, um den Ansturm abzuhalten und – wohl durch jahrelange Übung an den Grenzen zu Gaza et al. – Kontrollposten eingerichtet, an denen Nicht-Infizierte die Stadtgrenzen passieren dürfen. Die Einstellungen, die dem Zuschauer zeigen, wie die an die Mauern anbrandenden Massen der Infizierten sich übereinander türmen, bis die ersten die Mauerkorne überklettern können, evozieren Bilder von zeitgenössischen Flüchtlingslagern, von Massenansammlungen an den Grenzen zwischen Mexiko und den USA, zur Türkei oder des Libanon, dem Mittelmeer, wo private Schiffe Bootsflüchtlinge auflesen. Bedrohliche, gesichtslose Massen, die uns alles zu nehmen drohen, was unseren „way of life“ ausmacht.

Das Genrekino – vor allem in den Gattungen Horror und Science-Fiction – ist immer auch ein Spiegel unserer Ängste und Befürchtungen, ein ambivalentes Spiel mit dem Unbewußten, mit unseren Ressentiments und Vorurteilen. Während der Science-Fiction-Film dabei oft explizit politisch wird und sich somit immer schon auf eine gesellschaftliche Ebene begibt, sind es beim Horrorfilm eher die individuellen, irrationalen, die oft verdrängten Ängste, die verhandelt werden. Der Actionfilm seinerseits  wirkt oft wie ein Seismograph. Er zeigt uns – dabei nicht selten reaktionär – Entwicklungen, denen sich Einzelne entgegenstemmen. Hier war schon immer erlaubt, ja erwünscht, was politisch nicht korrekt anmutete. Er präsentierte arabische Terroristen, schwarze oder jüdische Gauner, brutale Mexikaner, verschlagene Hippies, gewalttätige Punks, denen es Einhalt zu gebieten galt. Und es waren meist weiße Männer, möglichst der Mittel- oder Arbeiterschicht entstammend, die den Job erledigten. Bruce Willis´ Figur des John McClane aus der DIE HARD-Serie (ab 1988) steht prototypisch dafür. Und auch hier, in WORLD WAR Z, ist es ein weißer Mann, der eigentlich nur seinen Ruhestand mit der Familie genießen will. Sicher, er ist eher ein Intellektueller, doch deuten die wenigen Hinweise, die der Film auf sein Vorleben gibt, darauf hin, daß er sich früher auch für die dreckigen, die harten Jobs nicht zu schade war. Ordnet man den Film also als ein Cross-Over aus Katastrophen-, Action- und Science-Fiction-Film ein, bedient er sehr exakt diesen Rollentypus in genau dem entsprechenden Muster.

WORLD WAR Z hat etwas von einem Propagandafilm. Er erzählt aus einer aus den Fugen geratenen Welt, in der sich die westliche Zivilisation eines Ansturms äußerst aggressiver Fremder zu erwehren hat. Er bedient damit unterschwellige Ängste ebenso, wie er sie zunächst aufgreift und verhandelt. Eine Doppelstrategie: Der – besser: das – Fremde als entmenschlichtes Wesen, als reine Bedrohung, anonym, namens- und gesichtslos, potentiell tödlich. Der Fremde als Infektion, als bakterielle Bedrohung, als unkontrollierbare Massenseuche. Da die Bedrohung im Kontext des Films ja vollkommen klar und tödlich ist, braucht es auch keine kritische Hinterfragung der Vorgänge – diese Angreifer müssen ausgeschaltet, vernichtet, getötet werden. Man will Marc Forster und seinem Team gar nicht  unterstellen, hier bewußt faschistoides Gedankengut produzieren zu wollen, man will den Drehbuchautoren – und es waren einige, der Film wurde noch während der Dreharbeiten ununterbrochen weiter- und umgeschrieben – nicht unterstellen, bewußt Ängste zu schüren. Dafür ist der Film zu oberflächlich, zu sehr auf Action und Unterhaltung angelegt, präsentiert er seine Bedrohung zu einfallslos und unprätentiös. Doch daß hier die 2013 noch unterschwelligen Ängste labiler Gesellschaften bedient und bebildert werden, ist allzu deutlich.

Hinzu kommt eine zumindest im Ansatz antisemitische Unterstellung, die ausgerechnet von einem deutschen CIA-Agenten vorgetragen wird. Die Israelis – der Mossad – die Juden – hätten schon Monate vor Ausbruch der Seuche Bescheid gewusst und angefangen, zumindest Jerusalem zu schützen. Auch, wenn Lanes Besuch in Jerusalem dies widerlegt, bleibt doch das ungute unterschwellige Gefühl, es mit einer abgewandelten Form der antisemitischen Verschwörungstheorie des „jüdischen Brunnenvergifters“ zu tun zu haben. Es gibt keinen dramaturgischen Grund für diese Einlassungen. Es hätte jede beliebige Regierung, jede beliebige Stadt auf der Welt sein können. Der Mossad-Offizier, mit dem Lane sich unterhält, gibt an, daß sein Dienst – wie etliche andere – lediglich einen Funkspruch aufgefangen habe, nur habe man ihn auch ernst genommen. Das hat dann schon ein Geschmäckle, was sich da im Drehbuch wiederfindet. Wieso ausgerechnet Jerusalem? Wieso ausgerechnet Israel? Wieso ausgerechnet der Mossad, der ja bekanntlich gern für so ziemlich jede Schweinerei verantwortlich gemacht wird?

Filme – außer sie sind  einfach nur plump, aber selbst dann – können vieles zugleich sein, gerade im Genrefach: Unterhaltung, Spiegel einer Gesellschaft, Propaganda, Brandbeschleuniger oder Seismograph unterschwelliger Störungen. Manchmal auch deren ironische Brechung oder gar Dekonstruktion. Auch dem Zombiefilm ist das bereits gelungen, auch in neueren Genrebeiträgen. Das macht Genrefilme einerseits so interessant, andererseits aber auch gefährlich. Gerade dann, wenn sie vordergründig der reinen Unterhaltung dienen. WORLD WAR Z ist ein klassisches Beispiel dafür. Seine unterschwellige Botschaft, das Schüren und raunende Verbreiten von Ängsten vor Fremden und Überfremdung, mag 2013, als er erschien, noch ein eher abseitiges Thema gewesen sein. Heute, nach den Ereignissen der Jahre 2015 ff., als Millionen Menschen sich aus den Krisengebieten des Nahen Ostens und Afrikas auf den Weg gen Europa machten, was sowohl in den Ländern der EU, als auch in den USA zu Verwerfungen und gesellschaftlichen Rissen führte, wirkt er wie ein Menetekel, wie eine Schrift an der Wand. Allerdings hat er keine humanistische Botschaft im Gepäck. Letztlich erzählt er davon, daß der Fittere gewinnt, daß man mit eherner Härte die eigenen Werte – in diesem Fall vor allem die Familie als Keimzelle der Gesellschaft, ein Topos gerade im amerikanischen Unterhaltungsfilm – verteidigen muß. Und dabei erklärt er selbst die übelsten Vorgehensweisen – u.a. wird Lanes Familie, als dieser für tot erklärt wird, des sicheren Schiffes verwiesen und in eine weitaus unsicherere „gesicherte“ Zone in Kanada verfrachtet – noch als notwendige Übel. Auch hier nimmt der Film keine kritische Haltung ein, obwohl Lanes Frau und die Kinder auf ihrem Weg zum Hubschrauber, der sie vom Schiff bringt, mit leichenbitterer Mine gezeigt, zugleich lehnen sie sich gegen den Beschluß aber auch nicht auf. Sie nehmen ihn hin – und erfüllen damit sozusagen ihre zivile Aufgabe, ein Opfer, im „Krieg gegen die Zombies“.

Es ist zu erwarten, daß Hollywood, immer liberal und stockkonservativ zugleich, in den kommenden Jahren noch einige Filme abliefern wird, die ähnliche gesellschaftliche Strömungen, Verwerfungen und Ängste aufgreifen, teils verstärken, teils entlarven werden. Christopher Nolan macht es mit seinen BATMAN-Filmen (ab 2005) und Werken wie INTERSTELLAR (2014) exemplarisch vor. Marc Forsters Beitrag reicht technisch und stilistisch sicher nicht an die Werke des Briten heran, was die propagandistischen Zwecke betrifft, kann er ihm allerdings durchaus das Wasser reichen.

 

[1] Vgl: Feuilleton der Sueddeutschen Zeitung vom 31.10.2019:SELBER ZOMBIE von Thomas Steinfeld.

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