SCHWARZE SPOREN/BLACK SPURS

Ein kleiner, harter Western aus der B-Rige

Santee (Rory Calhoun) würrde gern sesshaft werden und Anna (Terry Moore) heiraten. Doch fehlt ihm das nötige Geld, um einen Haushalt und ein Geschäft zu gründen.

Eines Tages wird er Zeuge, wie der Bandit El Pescadore (Robert Carrricart) eine Bank überfällt und dabei einen Angestellten tötet. Da umgehend ein Kopfgeld auf Pescadore ausgesetzt wird, sieht Santee die Möglichkeit, an Geld zu kommen. Er bittet Anna, auf ihn zu waten und nimmt die Verfolgung auf.

Es dauert 10 Monate, bis es ihm gelingt, El Pescadore zu stellen und zu töten. Da der Bandit für seine schwarzen Sporen berühmt war, nimmt Santee sie an sich und trägt sie fortan. Als er zurückkehrt, muß er feststellen, daß Anna die Stadt verlassen und den Sheriff Elkins (Ralph Best) geheiratet hat. Daraufhin entschließt sich Santee, weiterhin als Kopfgeldjäger zu arbeiten.

Er kommt in die Stadt Kile. Dort trifft er auf Gus Kile (Lon Chaney Jr.), nach dem die Stadt benannt wurde. Er ist ein einflußreicher Mannn, der sich darum sorgt, daß die Eisenbahn nicht durch Kile führen könnte. Santee, der das ahnt, bietet Kile an, die Stadt Lark, ein ruhiges und konservatives Städtchen, welches den Zuschlag für die Bahn wahrscheinlich bekommen wird, zu einem verrufenen Nest zu machen. Dann würde sich die Kommission wahrscheinlich eher für Kile entscheidenn. Er verlangt 20.000 Dollar für den Auftrag. Kile schlägt ein.

Sheriff Nemo (DeForest Kelley) bietet Kile an, den selben Auftrag für weniger Geld zu erledigen. Er heuert zwei verurteilte Banditen an, Santee auszuschalten, doch der ist schneller und tötet die beiden und den Sheriff, der ihn ebenfalls angreift.

Dann organisiert Santee über seinen Vertrauten Henderson (Bruce Cabot) sowohl die Ausrüstung für einen Spielsalon, als auch einen Haufen leichte Mädchen. Diese kommen unter der Leitung von Sadie (Linda Darnell) nach Lark. Als Santee dort eintrifft, wird er vom Sheriff aufgefordert, die Stadt zu verlassen. Er sei bekannt und verbreite Angst und Schrecken. Als Santeee sich weigert, wird er in eine Faustkampf verwickelt, den er gewinnt. Sein Wideracher, so stellt sich heraus, ist der Pfarrer Tanner (Scott Brady).

Santee tut sich mit dem Saloonbesitzer Pete Mitchem (Richard Arlen) zusammen, in dessen Räumlichkeiten er seine Spielgeräte aufstellt und Sadie und die Mädchen einquartiert. In kürzester Zeit wird aus dem verschlafenen Lark eine wilde Spielstadt.

Anna bittet Santee, die Stadt zu verlassen, doch der behauptet, nicht wegen ihr hier zu sein und daß er ihr auch nicht mehr nachtrauere. Daß ihr Mann der Sheriff des Ortes sei, habe er nicht gewusst.

Es kommt bei verschiedenen Gelegenheiten zu Auseinandersetzungen zwischen dem Sheriff und Hendersons Männern. Santee verbietet diesem, dem Sheriff etwas anzutun. Doch Henderson hat andere Pläne – er und einige Getreue entführen Elkins und teeren und federn ihn. Schwer verletzt wird er danach auf die Hauptstraße geschmissen.

Anna wirft Santee vor, er wolle ihren Mann töten und zudem demütigen. Santee weist das entschieden zurück. Er will sich nach dem Befinden des Sheriffs erkundigen  und erfährt bei dieser Gelegenheit, daß Annas Sohn nicht von Elkins stammt, sondern von ihm.

Der Straßenjunge Manuel (Manuel Padilla jr.), der Santee bewundert und so sein möchte wie dieser, fragt, wie es sei, ein böser Mann zu sein. Santee antwortet, man werde gefürchtet, aber nicht gemocht und Manuel solle es sich überlegen, ob er wirklich so sein wolle. Nachdem sich die Nachricht verbreitet hat, was Santees Leute mit Sheriff Elkins angestellt haben, teilt Manuel Santee mit, daß er es sich übeerlegt habe und wirklich kein böser Mann sein wolle.

Mittlerweile ist Gus Kile in die Stadt gekommen, um zu sehen, wie weit Santee seine Bemühungen vorangetrieben hat, die Stadt in eine Spielhölle zu verwandeln. Er ist mit dem, was er sieht, sehr zufrieden. Doch nun hat Santee es sich anders überlegt. Er gibt Kile das Geld zurück, nicht ohne zuvor Henderson und seine anderen Männer auszuzahlen. Kile überredet Henderson, alleine weiter zu machen.

Tanner hat derweil seine eigene Art des Widerstands gegen die Vorgänge in der Stadt entwickelt: er läutet unablässig die Glocken der Kirche. Daraufhin brechen ihm Hendersons Männer den Arm. Das ist für Santee der Moment, in dem er entscheidet, die Seiten zu wechseln. Er lässt sich von Elkins den Sheriffstern geben und tritt Henderson und dessen Männern entgegen. Es kommt zu einer wilden Schießerei, bei der Henderson, Pete Mitchem und die meisten der Männer, die Henderson folgten, ums Leben kommen. Sowohl Tanner als auch der schwer verletzte Sheriff Elkins helfen Santee.

Als alles überstanden ist, verabschiedet sich Santee von Anna, Elkins und Tanner, der ihm sagt, er habe nie geglaubt, daß es ihm einmal leid tun würde, wenn Santee die Stadt wieder verließe. Santee versichert Anna, seinem Sohn zu Weihnachten und zum Geburtstag jeweils ein Geschenk zukommen zu lassen. Dann reitet er aus der Stadt. Er wirft die schwarzen Sporen weg und will ein neues Leben beginnen.

 

BLACK SPURS (1965) ist einer jener kleinen, harten Western, die die 1960er Jahre hervorbrachten. Man hatte die ersten Italowestern gesehen, die Gewalt, die ambivalenten Typen, die sie präsentierten. Man wusste, daß das Publikum nicht mehr mit Allerweltgeschichten vom guten Sheriff und den bösen Buben abzuspeisen war. Ambivalente Charaktere hatte der amerikanische Western schon in den 50er Jahren erlebt, nun aber wurden sie mit einer gewissen Grausamkeit und Härte ausgestattet. Und um diese Charaktere noch interessanter zu machen, um sie in den Mittelpunkt zu stellen, wurden die  Geschichten oftmals gegen den Strich gebürstet. Genau dieses Konzept verfolgt R.G. Springsteens B-Western.

Rory Calhoun gehörte zu jener Riege von Schauspielern, die in genau dieser Liga agierten. Er trat in B-Western und anderen zweitklassigen Genrefilmen auf und reüssierte schließlich im Fernsehen. Er war auf eher zwiespältige Charaktere abonniert, die lange undurchschaubar bleiben und dann im letzten Moment erkennen, wo sie wirklich hingehören. So auch hier. Im Grunde erzählt Regisseur Springsteen eine klassische Western-Story aus der „falschen“ Perspektive. Eine Meute von Cowboys oder Banditen kommt in eine Stadt und sorgt für Unruhe. Der Sheriff stellt sich dem Mob entgegen und jagt sie schließlich aus der Stadt. Klassischer Wyatt-Earp-Stoff. Allerdings nimmt der Film den Blickpunkt dessen ein, der sie Stadt auf den Kopf stellt. Der Kopfgeldjäger Santee – den Calhoun mit einer gewissen Schmierigkeit und Gerissenheit gibt, immer herablassend lächelnd, immer die Augen zusammengekniffen, immer einen zynischen Spruch auf den Lippen und immer undurchschaubar – entwickelt selbst den Plan, den kleinen Ort  Lark in Verruf zu bringen, damit die Eisenbahn durch Kile geleitet wird, und verkauft ihn an den Geschäftsmann Gus Kile, Namensgeber eben jener Stadt, die vom Eisenbahnbau profitieren soll. Da Santee durch seine Profession über einen gewissen Ruf verfügt und die Leute Angst vor ihm haben, ist es für ihn ein Leichtes, dieses Vorhaben umzusetzen. Als er aber merkt, daß seine Maßnahmen immer brutalere Formen annehmen und sich die Männer, die er angeheuert hat, verselbstständigen, wechselt er die Seiten und vertreibt die Geister, die er selber rief. Damit erfüllt sich exakt jenes Schema, daß oben beschrieben wurde.

Buch und Regie entwickeln in gerade einmal 80 Minuten Film-Zeit ein durchaus tragisches Drama. Santee, der sesshaft werden will und dafür einen Banditen jagt, um das Kopfgeld zu kassieren, mit dem er sich niederlassen kann, verliert durch die Dauer seiner Jagd seine Braut und macht darob einfach weiter mit der Menschenjagd. Dieser Mann ist ein vergleichsweise interessanter Charakter, denn wir verstehen seinen Schmerz, seinen Verlust und die Verbitterung, die ihn dann immer weiter treibt. Dafür stehen symbolisch die titelgebenden schwarzen Sporen, die er seinem ersten Fang, dem Bankräuber El Pescadore, abnimmt und am Ende des Films – vielleicht geläutert – in den Präriestaub der wirft. Der junge Manuel, der mit seiner Gitarre und seinem klaren Gesang die Männer der Stadt erfreut hat, bevor der Saloon und die Frauen und das Spiel nach Lark kamen, fragt Santee, ob der ein böser Mann sei und Santee antwortet, so sage man wohl. Manuel will so werden wie er, aber Santee rät ihm davon ab. Gefürchtet werde man, aber niemand könne einen leiden. Es ist eine der wenigen ruhigen Szenen des Films und wie in guten Western sagt sie mehr über die Charaktere und ihre Geschichte, als es tausend Worte könnten.

Es ist aber auch eine der wenigen Szenen, die Wahrhaftigkeit erreichen. Denn das Buch ist zu uneinheitlich, als daß der Film kohärent wirken kann. Was wie ein das Drama eines Mannes beginnt, der durch den verzweifelten Versuch, das Geld für eine bürgerliche Existenz aufzutreiben seine Zukunft als Bräutigam und ehrlicher Bürger verliert, entwickelt sich zu einer Story über Verrat, Rache und Hinterhältigkeit, deren Motive leider reine Behauptung bleiben. Zu wenig wird uns Santees Entwicklung erklärt oder geschildert. Wir betrachten eine endlose Abfolge von Plakaten, die Belohnungen auf Verbrecher ausloben und müssen uns denken, daß es Santees Erfolge als Menschenjäger sind, während uns eine Over-Voice erklärt, wie dieses Leben verhärtet und verbittert. Dann stehen wir plötzlich mitten in einem Plot um den Versuch, eine Stadt zu diskreditieren. Und in dieser Stadt lebt rein zufällig jene Frau, deren Verlust Santee erst zu dem machte, was er laut Drehbuch sein soll. Daß der Gatte dieser Frau dann auch noch Sheriff in dem Kaff ist, nehmen wir nur noch zur Kenntnis. Wie könnte es anders sein? So kommt alles zusammen, ohne daß die Teile wirklich zusammenpassen. Oder zusammen finden.

Da Regisseur Springsteen neben Calhoun Schauspieler wie Lon Chaney Jr. oder Bruce Cabot, aber auch ein DeForest Kelley zur Verfügung stehen – alles klassische  Nebendarsteller, die in etlichen B-Western und gelegentlich auch großen A-Western spielten – erlangt BLACK SPURS aber doch eine gewisse Intensität. Es gelingt diesen Darstellern, auch eher klischeehafte Figuren wie den einflußreichen Kile, vielschichtig und interessant zu gestalten. Diese Männer sind brutal, sie sind egozentrisch und ausschließlich am eigenen Gewinn interessiert und bereit, dafür über Leichen zu gehen. Und sie wirken darin glaubhaft. Wenn Gus Kile das süße Lächeln des guten, patriarchalen Onkels präsentiert, fordert er zugleich unfassbare Dinge. Und Lon Chaney Jr. vermittelt genau das perfekt. So funktioniert BLACK SPURS eben durch die genauen Darstellungen und ein antagonistisches Konzept, kaum durch Inhalt oder Inszenierung.

Doch sollte man letztlich auch nicht zu viel erwarten. Es ist ein B-Western und er erfüllt seinen eigentlichen Auftrag vergleichsweise gut. Er unterhält. Und er tut es auf für die 1960er Jahre angemessene Art und Weise. Knappen 80 Minuten folgen wir einem zutiefst unmoralischen Geschehen, dessen Antreiber der Mann ist, den der Film uns als Hauptfigur anbietet – und am Ende können wir befriedigt aus dem Kino schlendern, weil das moralische Ich dieses Mannes über seinen Trieb zur Rache und Vergeltung gesiegt hat. Die Ordnung ist wieder hergestellt und unseren Ansprüchen wurde Genüge getan. Mit einer subtilen Umkehr erzählerischer Perspektive bedient ein Film wie BLACK SPURS zutiefst reaktionäre Erwartungen, die er seinem Publikum unterstellt. B-Western…

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