WILDE GLUT/BLOWING WILD

Ein Abenteuer im heißen Südamerika, voller Leidenschaft und Action

Irgendwo in Südamerika. Jeff Dawson (Gary Cooper) und Dutch Peterson (Ward Bond) verlieren bei einem Überfall auf ihre Ölpumpe ihr ganzes Hab und Gut. So müssen sie sich abgebrannt in der nahe gelegenen Stadt in allerlei Jobs verdingen. Sie fahren eine Ladung Nitroglyzerin für einen windigen Geschäftsmann, der sie aber betrügen will. Die junge Sal Donnelly (Ruth Roman) hilft Dawson, als der sein Geld eintreiben will. Zwischen den beiden scheint es schnell zu funken.

Durch Zufall trifft Dawson auf seinen alten Freund Paco Conway (Anthony Quinn), der es mit seinen Ölfeldern zu Reichtum gebracht hat. Er ist nun mit Marina (Barbara Stanwyck) verheiratet, die Dawson von früher her kennt. Obwohl Conway seinem Freund einen Job anbietet, lehnt dieser zunächst ab, da er offenbar nichts mit Marina zu tun haben will. Doch erlaubt ihm seine finanzielle Situation nicht, allzu wählerisch zu sein. Er nimmt den Job also an.

Mehrfach wird Dawson Zeuge von spannungsgeladenen Auseinandersetzungen zwischen Conway und Marina. Er will der Frau des Freundes weiterhin aus dem Weg gehen und nimmt daher Quartier in der Stadt, anstatt auf der Ranch zu wohnen. Im Hotel trifft er bei mehreren Gelegenheiten Sal wieder, die ihm schöne Augen macht.

Als Vorarbeiter an den Pumpen kann Dawson sein Gespür und seine Kenntnisse einbringen. Doch obwohl er Conway geradewegs verspricht, daß sie in einer bestimmten Tiefe auf Öl stoßen werden, drückt der aufs Tempo und besteht darauf, statt einer herkömmlichen Bohrung eine Sprengung mit Glyzerin vorzunehmen. Die Ladung wird angebracht und mit einem Zeitzünder versehen. Am folgenden Morgen soll die Sprengung erfolgen.

Die Pumpen werden von den Banditen angegriffen. Conway und Dawson reiten in das Lager der Bande und Dawson erfährt, daß der Anführer Conway ein Ultimatum gestellt hat: Er will Schutzgeld, 50.000 Dollar, bis zum Abend. Dawson erkennt in dem Mann eben jenen Banditen, der auch seinen und Petersons Ölturm gesprengt hatte.

Dawson versteht nun, weshalb Conway zeitlich unter hohem Druck steht. Er muß wissen, ob die Pumpe überhaupt Gewinn abwirft und will deshalb die Sprengung. Zurück auf der Ranch, beschwört Dawson den alten Freund dennoch, nicht zu zahlen, sie wüssten von früher, wohin das führt. Conway weigert sich, den Kampf gegen die Banditen aufzunehmen. Marina bezichtigt ihn daraufhin, feige zu sein.

Nachts in der Stadt trifft Dawson auf Conway, der in einer Kneipe feiert. Erneut rät er ihm, kein Schutzgeld zu zahlen, sondern die Männer an den Pumpen zu bewaffnen und den Kampf aufzunehmen. Conway bedroht den Freund und erklärt ihm, daß er vielleicht feige sei, aber genau wisse, daß Marina schon immer in Dawson verliebt gewesen sei und dieser doch nichts dagegen tun könne, daß diese nun seine, Conways, Frau ist. Dawson erklärt, daß er kein Interesse mehr an Marina habe. Das sei lange vorbei.

Zurück auf der Ranch, wird Dawson von einem Arbeiter davon in Kennntnis gesetzt, daß die Pumpe, an der die Sprengladung angebracht ist, begonnen habe, Öl auszustoßen. Dawson lag mit seiner Einschätzung genau richtig. Nun droht der Druck des hochschießenden Öls die Sprengladung auszuschmeißen und damit die Pumpe in die Luft zu jagen. Conway, der herbeigeeilt ist, fordert die Männer auf, sich in Sicherheit zu bringen. Dawson aber umwickelt seine Hände mit Lumpen und fängt die aus dem Bohrloch schießende Glyzerinkapsel mit bloßen Händen.

Die Männer bewundern Dawson. Der hat sich bei der Aktion verbrannt und wird ins Krankenhaus gebracht. Dort trifft er auf Conway, der ihn sucht und einmal mehr als Feigling gebrandmarkt ist. Doch Dawson weist ihn darauf hin, daß er den Trick einst von Conway selbst gelernt habe. Dennoch verlässt dieser wütend das Krankenhaus. Es kommt zu einer Aussprache zwischen Marina und Dawson, in der sie ihm ihre schon lange währende Liebe gesteht, die er jedoch zurückweist. Er habe lange auf sie gewartet, nun wolle er sie nicht mehr.

Während Dawson seinen Ärger und Kummer in einer Kneipe im Whiskey ertränkt, sucht Marina Sal auf und macht ihr unmißverständlich klar, daß Dawson zu ihr gehöre.

Zurück auf der Ranch, kommt es zu einer Auseinandersetzung zwischen Conway und Marina. Er reißt sie an sich, um sie zu küssen. Obwohl sie zunächst darauf eingeht, stößt sie ihn dann in die Pumpe, die direkt vor ihrem Haus steht. Conway wird dort zerquetscht. Als Dawson hinzukommt, sagt sie ihm, Conway sei betrunken gewesen und in den Schacht gefallen.

Am kommenden Morgen bereitet Dawson alles für den unausweichlich anstehenden Angriff der Banditen vor. Die Männer werden bewaffnet. Dawson will, daß Marina die Ranch verlässt, es werde zu gefährlich für sie. Sie fordert ihn ultimativ auf, nun ihr Mann  zu werden. Sie hätten das Haus, das Geld und das Öl. Erneut schlägt Dawson ihr Angebot aus. Sie verplappert sich, als sie ihn anschreit, dafür habe sie ihren Mann getötet? Um nun allein da zu stehen? Dawson gerät außer sich und beginnt, sie zu würgen. In letzter Sekunde lässt er von ihr ab und sagt ihr, wie sehr er sie verachtet. Sie droht ihm, wenn er sich ihr nicht anschlösse, würde sie ihn eines Komplotts gegen ihren Mann beschuldigen.

Als die Banditen schließlich auftauchen und die Ranch angreifen, kommt es zu einer wüsten Schießerei. In Folge der Sprengung eines Turms und der Pumpen, wird Marina zum Opfer der Banditen.

Dawson, Dutch und Sal kehren schließlich gemeinsam in die USA zurück.

Gern als Western deklariert, hat Hugo Fregoneses BLOWING WILD (1953) genügend Anteile des Film Noir und auch – dem Noir ja nicht unverwandt – eines Melodram, um mit einigem Recht genauso diesen Genres zugeschlagen zu werden. Da der Film in einem nie näher benannten Land in Südamerika spielt, die Protagonisten mit Kraftwagen durch die Pampa fahren und es zudem um Ölförderung geht, darf man ihn aber getrost einen Abenteuerfilm nennen.

Der Argentinier Fregonese fertigte für Hollywood einige B-Western und Film Noirs, tummelte sich zudem in etlichen anderen Genres, war aber auch im argentinischen Kino vertreten und drehte in Deutschland sogar einen Karl-May-Film sowie den Krimi DIE TODESSTRAHLEN DES DR. MABUSE (1964). Er war einer jener Regisseure, die ihr Handwerk beherrschten, schnelle und gleichbleibend gute Qualität lieferten und dabei nie wirklich eine eigene Handschrift entwickeln konnten. Seine Filme sind voller Action, sie sind schnell und temporeich und dennoch versteht er es, Konflikte präzise auf den Punkt auszuarbeiten.

In BLOWING WILD wissen wir lange nicht, in welchem Verhältnis Gary Cooper und Barbara Stanwyck zueinander stehen, doch ahnen wir bald, daß die beiden eine gemeinsame Vergangenheit haben. Anthony Quinn gibt den geschassten Liebhaber, hier: Ehemann, der in einen Konflikt zwischen Freundschaft und Liebe gerät. Eine Rolle, die er gerade in frühen Jahren oft spielen durfte. Doch ist der Konflikt zwischen diesen drei Menschen nicht der einzige, der den Film befeuert. Es dauert – wie es in guten B-Filmen aus Hollywood meistens der Fall ist – keine zwei Szenen, bis wir mit der Grundlage dessen vertraut sind, womit wir es zu tun haben. Abgebrannte Yankees irgendwo im Süden, ihres Vermögens verlustig, weil sie kein Schutzgeld an die Banditen zahlen wollen, die darob die Ölquelle unserer Helden vernichten. Nun müssen die beiden also jedweden Job annehmen, um sich über Wasser zu halten. Eine Fuhre Nitroglyzerin transportieren, auf den Ölfeldern arbeiten usw. Die seiner ersten halben Stunde ist BLOWING WILD voller Action, Verfolgungen, dramatischer Situationen und Prügeleien. Der Film kommt eigentlich erst zur Ruhe, wenn Cooper/Dawson beschließt, die Arbeit bei seinem alten Freund Quinn/Conway anzunehmen.

Allerdings tun sich sofort neue Konflikte auf: Der von Quinn gespielte Macho lebt in einem Spannungsverhältnis zu seiner Frau Marina, ein Wildfang, frei durch die Steppe reitend und nie um einen kessen Spruch verlegen. In der Stadt wirbt derweil die junge Sal Donnelly, die von Ruth Roman in einer Mischung aus verführerischer Lebedame und einem Rühr-mich-nicht-an gespielt wird, um Jeff Dawson. Was also eben noch actionlastig war, wird unversehens zu einem Melo, in dem die Konfliktlinien plötzlich eher im Innern, denn in der äußeren Handlung liegen. Genau da ist die Hand eines Meisters zu erkennen, denn Fregonese gelingt der Übergang spielerisch. Der eben noch abgerissene Cooper ist schnell zum Herrn gewandelt, Kleider machen eben Leute. Nun werden wir Zeuge, wie er sich der Damen erwehrt, eine Rolle, die ihm wie auf den Leib geschneidert ist. Natürlich wird das in einem der beiden Fälle nicht gelingen. Doch zuvor entwickelt sich auf den Ölfeldern eine Situation, in der Stanwyck alle Kaliber ihres zynischen Könnens ziehen darf. Sie variiert ihre diversen Noir-Rollen, in denen sie das böse Mädchen geben durfte und beginnt, ihren Gatten und ihren früheren Geliebten gegeneinander auszuspielen. Daß der Ehemann zudem unter Druck steht, weil die Banditen seine Ölpumpen bedrohen, macht die Sache für den nicht leichter. Dank dieser Bedrohung können Buch und Regie auch später im Film noch genügend Szenen unterbringen, die weitere Aktion, Schießereien und immer wieder schnelle und harte Schlägereien bieten, so daß wenig bis kein Tempo verloren geht, nur weil die Liebe ins Spiel kommt.

Eine tödliche Liebe, wollte man meinen. Eiskalt erklärt Marina Dawson, daß sie Conway nur geheiratet habe, weil der andere weg und dieser zu haben gewesen sei. Zudem hatte er Geld und Besitz. Ebenso eiskalt entledigt sie sich seiner und fordert von Dawson danach dessen uneingeschränkte Liebe, die „ihr gehöre“, wie sie ihn anschreit. Sie bedroht Sal, sie droht Dawson, ihn eines Komplottes gegen ihren Mann zu beschuldigen, jetzt, wo sie doch alles hätten – die Ranch, das Öl, die Pumpen und ein grandioses Heim – und er sie dennoch nicht wolle. Und die Hitze des Südens treibt Dawson fast dazu, Marina zu erwürgen, als er erfährt, daß sie für des alten Freundes Tod verantwortlich ist. Daß diese Frau schließlich beim Angriff der Banditen stirbt, liegt in der Natur der Sache des Film Noir. Und in der Natur der Sache eines klassischen Hollywood-Scripts, denn anders wäre der Weg für Dawson und Sal nicht frei. So aber wendet sich alles zum Besten.

Tempo, Härte, dramatische Konflikte – BLOWING WILD kann mit all dem in seinen gerade mal 86 Minuten Laufzeit fesseln, die Spannung hochhalten und den Zuschauer berühren. Ein „überhitztes Melodram“ wurde der Film genannt, doch was will man von einem Film wie diesem? In allererster Linie Unterhaltung. Und die bietet er. Fregoneses Inszenierung ist also stringent, lässt kaum Zeit zum Luftholen, Sid Hickox Kamera bietet die dafür nötigen Bilder in schwarz-weiß. Schattenspiele und die bedrohlichen Pumpen in Nahaufnahme, deren Sound überall auf Conways Ranch zu hören ist, Stanwycks mal tränenüberströmtes, dann kalt lächelndes Gesicht, die rasend dahin galoppierenden Pferde der Banditen, die den Lastwagen mit dem Nitro verfolgen – wir werden von den Bildern immer in einer fein austarierten Balance aus Bewegung und Ruhe gehalten, allerdings ebenso immer unter Spannung. Überall in den Schatten kann etwas lauern. Die dunklen Ecken der Stadt sind dabei ebenso bedrohlich, wie die Ruinen alter Kirchen oder das Unterholz in der Wildnis. Dimitri Tiomkins dramatisscher Score unterlegt das Geschehen passend.

Natürlich darf man einen Film wie diesen nicht auf seine Political Correctness untersuchen, da schneidet er schlecht ab. Die Südamerikaner sind hier durchweg verschlagen und Quinn mit seiner mexikanischen Abstammung passt da gut hinein. Er steht im Kontext der Handlung ja auch an einer Schnittstelle; dafür muß er einen dreckigen und elenden Tod unter einer Ölpumpe erleiden. Im Grunde die interessanteste Rolle, die ein Vehikel wie dieses zu bieten hat. Die U.S.-Amerikaner sind entweder edel oder schlichtweg böse. Das fremde Land ist ein Tummelplatz für Hasardeure und Abenteurer und erfüllt damit einmal mehr jene Bestimmung als mythischer Sehnsuchtsort, die es in Hollywood immer hatte. Eben Hintergrund und Symbol zugleich für hitzige Gemüter, auflodernde Leidenschaften, Freundschaften, die zu Feindschaften werden, und tragische Entscheidungen. In der Hitze des Südens können die Temperamente schnell einmal überkochen.

Am ehesten erstaunlich an diesem Film ist die pittoreske Darstellerriege, die man dafür zusammen bekam. Gary Cooper, im Jahr zuvor mit HIGH NOON (1952) auf einem späten Höhepunkt seiner Karriere angelangt, Barbara Stanwyck, Anthony Quinn und Ruth Roman – sie alle veredeln einen Film, der auf dem Papier nach reiner Kolportage klingt. Wirklich viel tun müssen sie dafür nicht. Alle geben Variationen lang eingeübter Figuren, das allerdings tun sie auf routiniert hohem Niveau.

Man sollte von Hollywoods routiniert und in diesem Falle auch eher billig herunter gedrehten Unterhaltungsfilmen gerade dieser Ära – den 50er Jahren – nicht zu viel erwarten. Im Kontext gesehen, bietet BLOWING WILD gute, schnelle und ebenso schnell vergessene Unterhaltung, Nicht mehr und nicht weniger – und erfüllt damit perfekt seinen Zweck.

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