DER EINZELGÄNGER/THIEF

Ein früher Film von Michael Mann, dem Hohepriester der neonbeschienenen Oberflächen des Hollywood-Kinos der 80er Jahre

Frank (James Caan) und sein Kumpel Barry (James Belushi)sind Diebe, die sich auf Diamanten, Juwelen, Steine jeglicher Art spezialisiert haben.

Beim letzten Coup wurden sie um ihren Verdienst geprellt. Frank legt sich mit den entscheidenden Figuren an und es kommt zu einer Geldübergabe, bei der er Leo (Robert Prosky) kennenlernt, Kopf einer professionellen Bande. Der will Frank anheuern, exklusiv für ihn zu arbeiten. Frank möchte eigentlich nicht.

Zum einen arbeitet er lieber allein, zum andern will er eigentlich aus dem Geschäft aussteigen. Elf Jahre hat er im Knast gesessen, nun ist er seit vier Jahren wieder draußen und braucht lediglich ein gewisses Startkapital, um eine Familie zu gründen.

In einem Cafe hat er die Kellnerin Jessie (Tuesday Weld) kennen gelernt, der er klar zu machen versucht, daß er es ernst meint mit seinen Plänen. Einen Gebrauchtwagenhandel hat er bereits aufgezogen, sowohl als Tarnung, als auch als ersten Versuch, im bürgerlichem Leben Fuß zu fassen.

Doch Leo bleibt dran und schließlich willigt Frank ein. Leo erweist sich zunächst als väterlicher Freund, der es sogar schafft, Frank und Jessie ein Baby zu vermitteln, nachdem die Behörde Frank als Ex-Knacki eine Adoption verweigert hat.

Der nächste Coup soll Frank nahezu 900.000 Dollar einbringen, ein großangelegter Tresoreinbruch in Los Angeles ist geplant.

Als Frank nach getaner Arbeit sein Geld abholen will, speist Leo ihn mit ca. 70.000 Dollar ab und meint, der Rest sei besser angelegt in diversen Immobilienspekulationen. Frank droht Leo und stellt ihm ein Ultimatum, wann er das Geld haben wolle.

Leo und seine Männer fangen ihn in seiner Gebrauchtwagenhandlung ab, Barry wird getötet, Frank gefoltert und von Leo quasi darauf hingewiesen, daß er, Frank, ihm, Leo, praktisch gehöre. Da auch die Polizei Frank immer stärker zusetzt, deren Methoden denen von Leo nicht unähnlich sind, beschließt Frank, seine Familie und das bisschen Glück, das er empfand, aufzugeben.

Rüde weist er Jessie mit dem Baby die Tür, dann steckt er sein Haus und anschließend die Gebracuhtwagenhandlung in Brand, fährt zu Leos Haus und richtet dort ein Blutbad an.

Anschließend verschwindet er in der Nacht.

Michael Mann, Schöpfer der TV-Serie MIAMI VICE (1984-89) und solcher Kino-Meisterwerke wie HEAT (1995) oder THE INSIDER (1999), ein Hohepriester der Oberfläche, des Neonlichts und des 80er-Jahre-Chroms, legte seinerzeit mit dem Neo-Noir-Thriller THIEF (1981) seinen dritten Film überhaupt und den ersten vor, der Aufmerksamkeit erregte. Im Grunde ist vieles von dem, was einen Film von Michael Mann auszeichnet, hier bereits angelegt. Und in gewisser Weise verweist dieser Film auch schon auf den vierzehn Jahre später entstandenen Film HEAT, bzw. zitiert jener THIEF in entscheidenden Momenten. Dort wie hier sehen wir einem Gangster dabei zu, wie er verzweifelt versucht, das, was er am besten kann, hinter sich zu lassen zugunsten eines „normalen“ Lebens. Dort wie hier scheitert der Versuch. Kostet er in HEAT Robert De Niros Figur Neil das Leben, bleibt hier im Ungefähren, ob Frank davonkommt, doch ist das Leben dieses „Einzelgängers“ ebenso zerstört, wie Neils beendet  ist.

Inhaltlich ist der Film weitestgehend uninteressant, da er eine allseits bekannte Story einmal mehr in etwas klischeehaften Versatzstücken präsentiert. Es ist ein klassisches Heist-Movie, also ein Film, der sich eingehend mit der Planung und Durchführung eines Einbruchs oder großen Raubzugs beschäftigt. Sein Reiz liegt dann auch eher in seinem Look. Vieles wird hier vorweg genommen, was die 80er Jahre, auch kinoästhetisch, ausmachen sollte: Die regnerische Nacht Chicagos, mit rötlichem und grünem Neonlicht ausgeleuchtet, die distanzierten Kameraeinstellungen, die noch auf das Kino der 70er Jahre und des ‚New Hollywood‘, dem man THIEF vielleicht sogar zurechnen sollte, verweisen und dennoch nach vorn deuten, weil sie schon die Kühle und Distanziertheit des kommenden Jahrzehnts ankündigen, ein gewisser Nihilismus, der den Zynismus der 80er Jahre begründete, die Gewalt, die selten, dann aber heftig ist.

Einer jener Übermachos der 70er Jahre, James Caan, der in Sam Peckinpahs THE KILLER ELITE (1975) noch seinen Körper in ganzer Pracht zeigen durfte und auf den in seinen Filmen nahezu jede Frau fliegt, wird hier in seiner Rolle stark reduziert, was dem Darsteller nicht sonderlich gut bekommt. Kaum mag man glauben, daß er ein neues Leben beginnen will, daß er diese Frau, Jessie, liebt und sie überreden will, bei ihm zu bleiben. Es gibt eine zentrale Szene in einem nächtlichen Diner (welche ebenfalls auf HEAT hindeutet, wo sich dann De Niro und Al Pacino wie ein Paar in der Krise gegenübersitzen), in der Caan versucht Tuesday Weld – ebenfalls eine Ikone des Kinos der 60er- und 70erJahre – davon zu überzeugen, daß er nach elf Jahren im Gefängnis willens sei, sein Leben zu ändern. Er will ehrlich sein und schildert ihr, was er getan hat. Doch wie der ganze Film, bleibt Caans  Figur Frank zu distanziert und darin dann zumindest für den Zuschauer schwer begreiflich. Nie hat man den Eindruck, daß er überhaupt versteht, worum es geht, was Jessie eigentlich von ihm will und erwartet. Und so ist er dann auch in der Lage, dieses vermeintliche Glück, das er angeblich so unbedingt will, von jetzt auf gleich hinter sich zu lassen, um Rache zu üben. Vielleicht soll es verdeutlichen, wie sehr der „Einzelgänger“ des deutschen Titels wirklich ein solcher ist, dramaturgisch jedoch bleibt dabei Vieles im Ungefähren und kann nicht überzeugen.

Einem klassischen Noir ähnlich, kann dieser Mann seinem Schicksal nicht entrinnen. Das veranschaulicht Mann dann allerdings eindringlich. Doch gelingt ihm in diesem frühen Film keine kohärente Dramaturgie, weshalb der Betrachter die Figuren und die Entwicklungen, die sie nehmen, nicht überzeugend finden kann. Man kann THIEF allerdings – und da ist der Film dann zumindest für Anhänger des Regisseurs ebenso interessant, wie für jene dieser speziellen Oberflächenästhetik – sehen, was Manns Programm und Konzept war, wie er seinen Weg gefunden hat in den kommenden zehn Jahren, wie er eine gewisse Pastell/Neon-Ästhetik entdeckt, verarbeitet und dann in MIAMI VICE zunächst perfektioniert hat, bevor sie dann einigen seiner Filme zu jenem unverwechselbaren Look verhalf, der Mann zu einem der besten und signifikantesten Regisseure und Auteurs im Hollywood der Gegenwart werden ließ. So ist THIEF am ehesten als Studienobjekt für die Entwicklung einer spezifischen Karriere interessant, wirklich spannend oder inhaltlich, sowie dramaturgisch überzeugend, ist er nicht.

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