DER WOLFSMENSCH/THE WOLF MAN

Eher sekundäre Ikone des Universal-Horror

Larry Talbot (Lon Chaney jr.) kehrt nach vielen Jahren in Amerika in seine walisische Heimat zurück, um die väterlichen Ländereien zu verwalten, nachdem sein älterer Bruder, dem diese Aufgabe traditionell zufiel, bei einem tragischen Unglück zu Tode gekommen ist. Sir John Talbot (Claude Rains), Larrys Vater, freut sich einerseits, den Sohn wieder zu sehen, steht dessen technischen Erfolgen als Maschineningenieur aber skeptisch gegenüber. Doch etwaige Animositäten zerstreuen sich, als Larry das väterliche Fernrohr zu reparieren versteht. Als er es ausprobiert, erblickt er bei einem Schwenk über das Dorf die Tochter des lokalen Antiquitätenhändlers, die er ausgesprochen attraktiv findet. Er macht einen Spaziergang ins Dorf und sucht natürlich den Laden auf, wo er Gwen Conliffe (Evelyn Ankers) kennenlernt. Bei einem Flirt verkauft sie ihm einen Spazierstock mit einem silbernen Knauf in Form eines Wolfskopfs. Für den Abend verabreden sich die beiden für den Rummel, denn die Zigeuner sind in die Stadt gekommen. Auf dem Rummel treffen sie sich mit Gewns Freundin Jenny (Fay Helm), die sich von dem Zigeuner Bela (Bela Lugosi) aus der Hand lesen lässt. Doch Bela erblickt ein aufschimmerndes Pentagramm in Jennys Hand und schickt sie fort. Sie eilt fort und wird im Wald zum Opfer eines Wolfsangriffs. Der herbei eilende Larry schlägt wie wild mit seinem Stock auf die Kreatur ein, die daraufhin ihn angreift und an der Brust verletzt. Doch als sich die Aufregung legt, liegt der tote, fürchterlich zu Schanden geschlagene Bela vor ihnen.

Larry wird in der Folge der Ereignisse des Mordes an dem Zigeuner verdächtigt, da es keinen toten Wolf gibt und die Wunden, die von einem Arzt untersucht worden sind, schnell wieder verschwinden und kaum Narben hinterlassen. Larry sucht nach Antworten, ist er sich doch sicher, einen Wolf Jenny angreifen gesehen zu haben. Bei seinen Wanderungen stößt er auf Maleva (Maria Ouspenskaya), eine alte Zigeunerin, die Mutter des toten Bela. Sie berichtet Larry vom Fluch des Werwolfs und daß er sich, nun da er  durch den Biss Belas infiziert wurde, bei Vollmond zu einem wolfsähnlichen Wesen mutieren und gnadenlos seine Opfer jagen wird. Nur die Liebe einer Frau oder der Schlag einer silbernen Kugel, der Stich eines silbernen Dolchs könne ihn töten und erlösen.Sie schenkt Larry ein Amulett, das ihm den Fluch eine Weile vom Leibe halten soll und zudem verrät sie, daß er das Zeichen des Wolfs, das Pentagramm, auf seinem nächsten Opfer sehen wird. Sie spricht ihm ein GEdicht, das von LEid, Schuld und den Tränen des Todes erzählt. Larry will von alldem nichts hören.

Doch spürt er, daß sein Gehör besser wird, er kann Gerüche wahrnehmen, die er zuvor nie gerochen hat. Sir John, der wie alle Herren der Umgebung – als da wären der Arzt, der Pfarrer, der örtliche Landjunker usw. – die Zeichen abergläubischen Werwolfsglaubens kennt, tut all das als  übernatürlichen Zinnober ab. Er glaubt daran, daß Larry Opfer einer Schizophrenie sein könnte, bei der er sich einbilde, sich in ein Tier zu verwandeln. Ja, solche Wahnvorstellungen, unterstützt ihn der Arzt, könnten sogar zu Selbtverletzungen führen. Als Larry auf dem Rummel für Gwen einen Preis erschießen will und dafür auch eine Wolfsfigur zu treffen hat, zuckt er zurück und bringt es nicht fertig. Er bittet Gwen, heim zu gehen, sie müsse sich schützen. Er selbst kehrt ebenfalls heim, nur um dort die Verwandlung zu durchleben, die seinen Körper erfasst. In einen Wolfsmenschen verwandelt, behaart und mit Klauen und Reißzähnen ausgestattet, tötet er auf dem Friedhof den Totengräber.

Am folgenden Morgen findet Larry deutliche Spuren seiner nächtlichen Taten. Er zweifelt nun kaum mehr an der Wahrheit dessen, was die Zigeunerin ihm gesagt hat. Im Dorf bildet sich nach dem Fund der zerfleischten Leiche des Totengräbers ein Mob, der Larry verdächtigt und vernichten will. Larry verwandelt sich erneut in den Wolfsmann und versucht, seinen Häschern zu entkommen, verfängt sich jedoch in einer Bärenfalle. Erneut erscheint ihm die Zigeunerin, fast als übernatürliches Wesen, erneut rezitiert sie ihm das Gedicht und weist ihm dann einen Weg aus seiner momentan misslichen Lage. Der Wolfsmensch kann entkommen, indem er sich in Larry zurück verwandelt.

Wieder im Schloß bittet Larry Sir John um Unterstützung, er müsse das Land verlassen, da er vor Ort zur Gefahr für seine Liebsten würde. Als er sich von Gwen verabschieden wollte, erblickte er in ihrer Handfläche das Zeichen des Wolfs, das Pentagramm. Mehr denn je glaubt Larry, verflucht zu sein. Sir John weigert sich weiterhin, an den „Fluch des Werwolfs“ zu glauben. Larry gibt seinem Vater den Stock mit dem Silberkopf, Sir John willigt ein, Larry gefangen zu setzen, um zu beobachten, ob die Verwandlung einsetzt. Doch lässt Sir John den Sohn danach allein, um Maleva aufzusuchen und zur Rede zu stellen. Sie, so seine Theorie, habe den Sohn mit ihren Reden verwirrt und irrsinnig werden lassen. Larry hat sich befreit und jagt als Wolfsmensch durch den Wald. Gwen, die Larry sucht und glaubt, ihn mit Hilfe der Zigeuner heilen zu können, wird von dem Wesen angefallen, doch bevor Larry sie beißen kann, eilt Sir John hebrei und erschlägt den eigenen Sohn mit dem Spazierstock. Die tote Kreatur verwandelt sich in Larry zurück. Sir John muß schließlich begreifen, welche Wirkmacht der Aberglaube haben kann.

Horror goes psychoanalysis – könnte der Titel einer Abhandlung über Universals THE WOLF MAN (1941) lauten. Zehn Jahre nach den für das Studio so wegweisenden Horrorfilmen DRACULA (1931) und FRANKENSTEIN (1931), die nahezu ohne jede Ironie der Legende des mythischen Wesens – dem Vampir, dem menschgeschaffenen Prometheus (folgt man der Schöpferin der Frankensteingeschichte Mary Shelley) – nachspüren konnten, braucht es einen anderen, einen wissenschaftlichen Zugriff, um das Übernatürliche als Möglichkeit zulassen und zugleich in Frage stellen zu können. In diesen zehn Jahren hatten sich aber nicht nur das Narrativ und seine filmische Umsetzung geändert, Hollywood hatte sich fundamental geändert. Und das nicht nur in technischer und filmischer Hinsicht. 1941 herrschte Krieg, mit dem Krieg und seinen Schrecken waren auch Zweifel, Schmerz und Leid real geworden und die, die aus dem Krieg zurück kehrten, waren anders, gezeichnet, verletzt, auch wenn die Wunden und Narben manchmal äußerlich nicht zu erkennen waren. Diesen Entwicklungen trug auch Hollywood Rechnung und spätestens mit dem klassischen Film Noir waren Antihelden, gebrochene (männliche) Figuren in den Geschichten aufgetaucht, spätestens jetzt hatte die Psychoanalyse Einzug gehalten: Der Mensch als zerklüftetes Wesen, dessen Seele immer auch eine Schattenseite beherbergt, in deren Düsternis die grausigsten Dinge brüten können. Zwei Seelen in jeder Brust, nicht nur gut oder nur schlecht. Helden, die zu zweifeln begannen, die Angst bekamen – auch und vor allem Angst vor sich selbst und dem, was in ihnen schlummern könnte. Der Schrecken lauert in uns und das, was wir oft unter Schmerzen unterdrücken – vielleicht der animalische Trieb in uns – wurde auf den Schlachtfeldern Europas und des Pazifik willentlich entfacht. Ein Grund mehr, uns selbst zu fürchten, denn wir können tödlich sein.

THE WOLF MAN reagiert darauf und ist möglicherweise der erste Horrorfilm, der sich psychoanalytischer Anreize bediente, um damit unmittelbar Spannung zu erzeugen. Will man nach dem fragen und forschen, was im Menschen lauern könnte, bietet sich der Werwolf-Mythos natürlich an. Die Metapher vom „Tier im Manne“ liegt nah: Verdrängte, unterdrückte Sexualität, das Animalische aber auch Machtvolle der Gewalt, die nie rechtfertigt, aber auch nie verurteilt werden kann, bricht sie doch gleichsam einer Naturgewalt aus dem Wesen hervor, welches den Wolf in sich spürt. Lon Chaney jr., dem die Rolle des Wolfmannes zur Lebensrolle werden sollte, zu jenem Part, der ihn in der Filmgeschichte unsterblich machte, verkörpert hier überzeugend einen Mann, der ausgesprochen liebenswürdig daherkommt, der in seiner amerikanischen Lässigkeit jedoch einen maximalen Kontrast zu den einheimischen Walisern, auch der eigenen Familie, darstellt. Ohne arrogant zu wirken, kommt Larry Talbot immer ein wenig zu großspurig, zu laut, zu selbstsicher daher. Nur um sich dann bei aller Selbstgewißheit, die ihn die amerikanische Lebensweise in achtzehn Jahren Übersee lehrte, langsam aber sicher in den Fängen der Paranoia zu verstricken. Bei all seinem typish amerikanischen Auftreten – das lässige Anzünden eines Streichholzes, der fesch gezogene Hut, der lockere Schritt, der so viel besser auf die Bürgersteige New Yorks passte, als auf die schlammigen Moorwege der walisischen Einöde – verunsichern ihn sowohl die ihm fremd gewordenen Einheimischen, wie auch die Sitten, die hier unverändert herrschen. Larry springt zwar helfend und zupackend bei, als Jenny angefallen wird und erweist sich darin durchaus als heroisch, doch glaubt er auch sofort die Aussagen der Zigeunerin, die ihn auf den Fluch hinweist, der nun auf ihm, Larry Talbot lastet. Seine Verunsicherung setzt sofort ein und bald ist er ein Mann, umgeben von Menschen, die zwar alle um den Mythos wissen, seine Zeichen und Narrative kennen und zu deuten verstehen, die aber alle nicht glauben, daß er wahr werden könnte, der Mythos. Oder, besser: Immer schon wahr war. So findet nahezu eine Verkehrung statt: Der aufgeklärte Amerikaner ist empfänglich für abergläubische Einflüsterungen, die immer schon vom Aberglaube Umgebenen suchen nach der rational-logischen Erklärung und Lösung des Problems.

Die den Patriarchen John Talbot – den Claude Rains mit einer gewissen Strenge gibt, die nötig ist, um die abschließende Tat gegen den eigenen Sohn zu beglaubigen – umgebenden Herren – der Polizeipräfekt, der Arzt, auch ein Kleriker – sind es, die THE WOLF MAN außergewöhnlich machen. Sie müssen für das Rationale, das Erklärbare einstehen, sie sind aber zugleich eben jene, die die Zeichen – ein Hexagramm bspw. – nicht nur kennen, sondern auch jederzeit entziffern können. Doch sie tun dies nicht. Sie erklären sogar die sichtbaren Zeichen, wie die schnellverheilenden Wunden und Narben auf Larrys Körper, zu Folgeerscheinungen eines schizophrenen Geistes, der sich in seinem Wahn (Psychose, auch wenn der Begriff im Film nicht genutzt wird) selber Verletzungen zufügt. Sich und andern, denn auch die Angriffe auf Jenny und den Totengräber, beide weisen deutliche Spuren eines Wolfsangriffs auf, werden ebenfalls als Taten eines Wahnsinnigen abgetan; eines Wahnsinnigen, der sich für einen Wolf hält. Und der Kräfte nicht nur physischer Natur entwickelt, die ihm unnatürliche Fähigkeiten – Schnellheilung bspw. – verleihen. Umso grässlicher die Situation für Larry selbst: Ihn holt das Irrationale ein und nun schenkt ihm niemand glauben.

Der eigentliche Horror des Films erwächst vielleicht am ehesten aus dieser Situation des Nichtverstanden-Werdens. Als Schocker funktioniert THE WOLF MAN heutzutage natürlich nicht mehr und man mag auch nicht wirklich glauben, daß er 1941, in Anbetracht der vollkommen realen Schrecken des Krieges als Schocker funktioniert haben könnte. THE WOLF MAN ist trotz der namhaften Charakterdarsteller und seiner wirklich ansehnlichen Ausstattung vergleichsweise billig produziert, was man ihm ansieht. In einer reinen Studioproduktion wabern Nebel im Moor, bieten die Bäume aus Kunststoff und Pappmaschee eine atmosphärisch durchaus dichte Kulisse, die für angenehmen Grusel sorgt. Chaneys Maske, heute ikonographisch, kann kaum Schrecken erzeugen, sein Wolfsmensch ist deutlich mehr Mensch denn Wolf. Es waren die Tricktechniken jüngerer Prägung oder gar die CGI-Verfahren des 21. Jahrhunderts nötig, um die Verwandlungen eines Menschen in einen Wolf glaubwürdig auf die Leinwand zu transferieren. In seiner Binnenstruktur funktioniert THE WOLF MAN noch wie seine älteren Brüder und Cousins aus den frühen Tagen des Universal-Horrors. Wie diese betrachtet auch er Europa als Land des Mythos. Allerdings spielt THE WOLF MAN den Gegensatz strenger aus: War es in den älteren Filmen, jeweils im 19. Jahrhundert angesiedelt, das europäische Mutterland „Großbritannien“, welches Ratio, Aufklärung und wissenschaftliche Lösungen repräsentierte und dann doch, konfrontiert mit dem Unnatürlichen, dem Übernatürlichen, die eigenen Irrtümer erkennen muß, ist es hier – der Film ist in der zeitgenössischen Gegenwart angesiedelt – Amerika selbst, das für Vernunft steht. Wales, als besonders sagenumwobener Teil Großbritanniens, dient hier wie eine Transitzone, die aus dem Bereich des Rationalen in den der Märchen und Mythen führt.

Hier wird die Ratio mit ihrem schwarzen Rücken konfrontiert, hier muß ein Mann wie Larry – ein liebenswürdig und freundlich um das Herz einer Dame werbender Mann – gewärtigen, daß auch ihm, dem Techniker, dem Frickler, dem Maschinenbauer, Unerklärliches widerfahren kann und alle Erklärungen der Welt, alle Ratio und Wissenschaft ihm nicht werden helfen können. Psychologisch gesehen – auch, wenn THE WOLF MAN diesen Aspekt seines Subtextes wohlweislich außer Acht lässt – muß Larry das Animalische in sich akzeptieren und damit auch sein Verlangen, den Trieb. So gesehen hat man es nicht nur mit einem Transfer vom Rationalen ins Mythische zu tun, sondern auch mit einem Transfer der äußeren Welt, der sogenannten Realität, in das Land des Un(ter)bewußten. Auf dieser Ebene kommt dem Film sogar seine billige Machart zugute, denn ob gewollt oder nicht: Wenn Lon Chaney und seine Mitstreiter durch die Studiokulisse des Waldes und des Moors stolpern, dann betreten sie eine derart künstliche Landschaft, daß sie a priori surreal anmutet. Es ist  die Topographie des Traums, der Seele, wo keine Gesetzmäßigkeit mehr gilt, wo nur die alte Maleva noch Orientierung geben kann. Maleva, die Zigeunerin. Mit der Nutzung all der Topoi, die man aus Märchen kennt, der magischen Gesetzmäßigkeiten, die Fluch und Gegenfluch in Gang zu setzen vermögen, mit der Nutzung der Stereotype wie dem ‚Zigeuner‘ als Verursacher des Unheils und Überbringer der schlechten Nachricht wie der Lösung, greift ein Film wie THE WOLF MAN eben auf dieselben mythologischen Strukturen und Schemata zurück, wie es einst die Psychoanalyse tat. Die Anwesenheit einer  Zigeunerin im Film markiert nichts den Übergang ins Traumland, wo man sich abgetrennt von jeglicher Realität bewegt, dort, wo das Tier im Manne genau so aussieht, wie ein Tier. Wie ein Wolf, möglicherweise. In Anbetracht strenger Zensurvorgaben und sehr um Seriosität bemüht, scheut THE WOLF MAN unter der Regie von George Waggner diese Ebene, kann sich aber von einem unbewussten Subtext nicht freisprechen. Wie auch? Curt Siodmak, der das Drehbuch schrieb, wird sich all der Implikationen schon bewusst gewesen sein.

Natürlich wohnt dem ebenso subtextuell ein Rassismus inne, der gerade in frühen Horror- und Gruselfilmen virulent ist. Es ist ein immanenter Rassismus, der gewissen Stereotypen gewisse Eigenschaften zuschreibt. Wie der Vampir den ‚Latin Lover‘ impliziert, den südländischen Mann, der so verführerisch die unschuldige weiße Frau umgarnt und in seinen Bann zieht; wie der Riesenaffe Kong, dessen Sexualität unverstellt und roh ist, der sich nimmt, was er will und dessen Züge doch erstaunliche Ähnlichkeit zu afroamerikanischen Menschen aufweisen; wie der Zombie im klassischen Horrorfilm, der ein willenloses dunkelhäutiges Wesen ist und damit durchaus zum Sklaven gemacht zu sein scheint – wie all diese mythischen Figuren, so steht auch „der Zigeuner“ in diesem Universum für etwas Fremdes, eine Macht, deren Kraft wir nicht durchschauen und die uns zunächst feindlich erscheint und die wir deshalb angreifen, schlimmstenfalls vernichten dürfen. Doch THE WOLF MAN geht doch erstaunlich andere Wege. Maleva übernimmt die Rolle eines Deute-Engels, sie kann die Vorkommnisse erklären; Bela – den Bela Lugosi in einer sehr kleinen Rolle mit erstaunlicher Bedrohlichkeit auszustatten weiß, zugleich aber auch mit genügend Tragik, daß wir seinen Schmerz erahnen – ist Träger des bösen Fluchs und gibt ihn an Larry weiter. Doch wird sein Tod nicht gerechtfertigt, im Gegenteil – obwohl ein Zigeuner, nehmen die Menschen regen Anteil an seinem Ableben, Larry wirkt ehrlich erschüttert über den Tod des unter den Schlägen seines Stockes Gestorbenen. Und doch war er sich vollkommen sicher, das Richtige zu tun, sah er doch – und wir mit ihm, soweit kommt ihm der Film natürlich entgegen – deutlich einen Wolf, der Jenny angriff, keinen Mann.

Das Drehbuch versteht es brillant, zwischen den Ebenen von Traum und Wirklichkeit zu wechseln, dabei die Schraube der Spannung stetig anziehend. Es verlässt sich nicht auf Actionsequenzen und ein Monster, das kaum wird überzeugen können und legt deshalb sein Augenmerk auf die Frage, wie man mit einer Infektion umgeht. Die Angst, das Unverständnis der Umwelt, die Akzeptanz des Unmöglichen – das sind Siodmaks Themen, die er in knapp 70 Minuten auf eine spannende Handlung verdichtet. Ein gutes Beispiel für jene Effizienz auch in kreativen Bereichen, die Hollywood verlangte und zu produzieren vermochte [1]. THE WOLF MAN fügte der Ikonographie der „Universal-Monster“ ein weiteres Gesicht hinzu, wenn auch keines vom Format eines Dracula, einer Kreatur des Doktor Frankenstein oder auch nur dem von Chaneys Vater zum Leben erweckte PHANTOM OF THE OPERA (1925).

 

 

[1] THE WOLF MAN wurde für die ‚Double-Bills‘ produziert – Doppelprogramme, bestehend aus kurzen Genrestreifen, meist Western, Horror- oder Science-Fiction-Filmen, vermischt mit Wochenschauen und Cartoons, ein komplettes Nachmittagsprogramm.

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