WERWOLF – DAS GRAUEN LEBT UNTER UNS/WEREWOLF: THE BEAST AMONG US

Wenig Neues an der Werwolf-Front

19. Jahrhundert, irgendwo im ländlichen Europa: In einer kleinen Stadt häufen sich die Fälle von Werwolf-Angriffen auf Bewohner und Bauern des Umlandes. Der junge Daniel (Guy Wilson) versucht mit seinem Mentor, dem Arzt der Stadt (Stephen Rea), dem Muster der Angriffe auf die Spur zu kommen. Doch er kann kein Schema, keine Struktur in den Attacken erkennen. So bleibt den beiden nur das blutige Geschäft der Obduktion: Wieder und wieder untersuchen sie die Wunden der Toten und stellen fest, daß sie von furchtbaren Klauen und Reißzähnen stammen. Allerhand Glücksritter und Kopfgeldjäger kommen in die Stadt, um sich das Blutgeld für den Wolf abzuholen. Jaeger (Emil Hostina) prahlt im Wirtshaus, er habe den Wolf bereits erlegt und präsentiert ein zwar schönes, vor allem totes Tier, doch der geheimnisvolle Charles (Ed Quinn) lässt ihn wissen, daß das keineswegs das gesuchte Ungeheuer sei. Er bietet der Stadt an, daß er und sein Trupp die Bestie für das Doppelte des ausgelobten Preises fangen, schließlich stimmen die Stadtoberen zu.

Daniel bietet sich Charles und seinen Leuten als Helfer an, diese lehnen jedoch ab. Stefan (Adam Croasdell), ein gutaussehendes und äußerst charmantes Mitglied aus Charles´ Gruppe verspottet Daniel sogar ein wenig, mehr noch: er bandelt mit Daniels Herzensdame, Eva (Rachel di Pillo) an. Diese, Tochter des einzigen Adligen weit und breit, versucht, Daniel von seinem Vorhaben, mit den Männern mitzugehen, abzuhalten. Als Daniel bereit und in der Lage ist, jede Menge Fleisch – von den Leichen, die er und der Arzt in einer Scheune bergen – als Köder zu besorgen, erkennt Charles dessen ernsthaftes Bemühen um seine Heimatstadt. Nun nimmt er Daniels Hilfe an und lässt sich von ihm nicht nur die Stellen der bisherigen Attacken zeigen, sondern auch über Größe und Maße des Tieres, mit dem man es zu tun hat, aufklären. Er verspricht Daniel, diesen beim nächsten Mal auf die Jagd mitzunehmen.

Nachts im Wald, wo Charles und seine Leute eine Reihe tödlicher Fallen ausgestellt haben, kommt es zu einem fürchterlichen Massaker, als Jaegers Männer, die sich die Beute unter den Nagel reißen wolten, Charles in die Quere kommen und einer nach dem andern – bis auf Jaeger selbst – Opfer der furchtbaren Fallen und des offenbar ebenfalls anwesenden, doch nahezu unsichtbaren Wolfs werden. So düster die Nacht auch  gewesen sein mag, Charles folgert aus den Erlebnissen, daß die Bestie scheinbar gezielt attackiert und offensichtlich in der Lage ist, ansatzweise zu denken. Ein Zigeuner erklärt den staunenden Männern, daß dies ein besonderer Werwolf sei, weil er schon bei seiner Geburt den „Fluch“, den „Infekt“, in sich getragen habe. Dieser Wolf werde immer stärker und bald in der Lage sein, nicht nur zu denken wie ein Mensch, sondern auch, seine Gestalt unabhängig vom Mond jederzeit zu wandeln.

Die Bewohner des Städtchens haben derweil beschlossen, selber gegen das Tier vorzugehen. Der Stadtvorsteher (Radu Iacoban) hat eine Liste all derer zusammen gestellt, die für die Zeit der Angriffe kein Alibi haben. Diese werden zusammen getrieben und im Stadtkerker eingesperrt. Darunter befinden sich nicht nur Daniels Mutter Vadoma (Nia Peeples), sondern auch Evas Vater und schließlich der Stadtvorsteher selbst. Als dieser einen epileptischen Anfall bekommt, glauben die Wächter vor den Zellen, sie hätten es mit einer Gestaltwandlung in einen Wolf zu tun und erschießen nicht nur den Betreffenden, sondern aus Angst, diese könnten sich infiziert haben, auch gleich die vier anderen Männer, die in der Zelle eingesperrt waren, darunter Evas Vater. Vadoma allerdings kann fliehen.

Erneut stellen Charles und seine Leute ein Falle auf, diesmal mit Jaeger als Köder für den Wolf. Dieser greift an und tötet zwar Jaeger, verschont aber – obwohl es er sie töten könnte – die Gruppe um Charles. Am nächsten Morgen erwacht Daniel nicht nur mit Schnittwunden, sondern auch einer Verletzung, die deutlich darauf hinweist, daß er bei den nächtlichen Vorfällen schwer verwundet wurde. Da er bereits seit Wochen von Albträumen um den Werwolf geplagt wird, fürchtet er immer stärker, selbst das Untier zu sein. Eva will ihn dazu überreden, mit ihr zu fliehen, ebenso bittet ihn der Arzt, den Studienplatz für Medizin, den er ihm besorgt habe, anzunehmen, doch Daniel ist sich seiner Verantwortung bewusst und bleibt. Charles, der Verdacht schöpft, sucht den Arzt auf und erkundigt sich nach Daniel und den Bedingugnen seiner Geburt und seines kurzen bisherigen Lebens.

Charles konfrontiert Daniel mit seinen Erkenntnissen und dieser bittet den von ihm bewunderten Mann, ihn zu töten. Charles will der Bitte schweren Herzens nachkommen, wird aber selber angeschossen: Der Arzt ist aufgetaucht und hat hinterrücks auf Charles gefeuert. Nun erklärt der Doktor Daniel, daß er immer um Daniels Geschick wusste und diesen abgerichtet habe, in seinem Auftrage Menschen zu töten – Diebe, Bettler, Zigeuner – Menschen also, die laut des Arztes die Gegend verunsichern.

Daniel flieht zum Hause von Evas Vater, wo er auf Stefan trifft, der Eva zu vergewaltigen versucht. Es kommt zu einem Kampf zwischen den beiden, bei dem Stefan sich als außerordentlich stark erweist. Es gelingt Stefan, Daniel einzufangen nud an einem Baum angekettet auszustellen. Er will den Bewohnern des Ortes zeigen, daß sie es bei Daniel mit dem gesuchten Werwolf zu tun haben. Als die Transformation geschieht und der verwandelte Daniel sich von den Ketten befreit, kommt es schließlich zwischen ihm und Stefan zu einem Show-Down. Stefan entpuppt sich als ‚Wurdalak‘ – ein Halbwesen, das bereits von einem Vampir oder einem Werwolf gebissen, jedoch nicht vollständig verwandelt wurde – und es fällt Daniel schwer, seinen Gegner zu besiegen, was ihm aber schließlich gelingt. Der Arzt taucht auf und befiehlt Daniel, nun wieder ihm zu gehorchen und gleich Eva zu töten. Da taucht auch Charles wieder auf und tötet den Arzt. Daniel verwandelt sich – offenbar aus freien Stücken – zurück in seine menschliche Gestalt. Charles verschont ihn und Eva schwört, ihre Liebe werde dazu beitragen, das Tier in Daniel zu zähmen. Während sie und Daniel sich endlich küssen, verlassen Charles und seine Leute die Stadt.

WEREWOLF: THE BEAST AMONG US (2012) war wohl als direkter Nachfolger zu WOLFMAN (2010) gedacht, einer Neuverfilmung (und Neuinterpretation) des Lon-Chaney-Klassikers THE WOLF MAN (1941). Doch da der mit Anthony Hopkins, Benicio del Toro und Emily Blunt hochwertig besetzte Blockbuster floppte, beließ es Universal dabei, eine etwas kostengünstigere und nicht direkt an den früheren Film angelehnte Werwolf-Story zu verfilmen.

Wie schon in WOLFMAN wird die Handlung auch hier ins 19. Jahrhundert verlegt, Ort des Geschehens wissen Buch und Regie gut zu verheimlichen. So könnte dies ebenso gut in einem abgelegenen Teil Irlands oder Englands spielen, die Namen deuten jedoch auch auf ein Balkanland hin. Da der Film größtenteils in Rumänien gedreht wurde, wird man sich dies durchaus zu Nutze gemacht haben. Der Look des Ganzen schafft zwar eine gewisse Atmosphäre, man imaginiert das 19. Jahrhundert durchaus, doch wirkt alles ein wenig zu glatt, zu sauber, zu geleckt. Zudem hat der Film immer wieder gehörige Anschlußprobleme, was den Zuschauer in der ersten Viertelstunde verwirrt, es dauert, bis man die Protagonisten und die Orte, an denen sie auftreten, einander zugeordnet hat. In der Mise-en-Scène treten manchmal erstaunliche Diskrepanzen auf, wenn man bspw. in den Straßen, durch die die Leichenkarren ruckeln, eindeutig dem viktorianischen Bürgertum zuzuordnende Spaziergänger sieht, in allen Szenen jedoch, in denen Dorfbewohner sich äußern – in der Kneipe zum Beispiel – ausschließlich Bauern und als Landarbeiter ausgestattete Menschen zu sehen sind. Die Spezialeffekte, die das Ungetüm schließlich zum Leben erwecken, sind gemessen an dem, was man schon vor über 30 Jahren in AN AMERICAN WEREWOLF IN LONDON (1981) oder THE HOWLING (1981) gesehen hat, aber auch im Vergleich zu denen im Vorgänger oder auch den Filmen aus der UNDERWORLD-Serie (seit 2003), eher mittelmäßig. Es dauert, bis wir das Ungeheuer wirklich zu sehen bekommen, doch zeigt es sich fast ausschließlich in dunklen Ecken, die Macher werden gewusst haben, warum. Es ist allerdings weniger der Look, eher sind es die Bewegungen der Kreatur, die zweifeln lassen.

Es sind in der Rückschau auch weniger die Trick- und Technik-Elemente, vielmehr scheinen es andere, subkutane Ebenen der Handlung zu sein, die die Filmemacher interessiert haben. Der Film weist einen Bodycount auf, der schnell erahnen lässt, daß das Augenmerk nicht einfach auf Gewalt, Splatter und Blutzoll liegt, dafür werden all die Dinge, die Ekel erzeugen könnten, zu beiläufig präsentiert. WEREWOLF… versucht den Spagat zwischen klassischer Behandlung des Themas, indem er Handlung und Ort so wählt, daß sie durchaus in den Horizont des Märchens tauchen, zugleich will er aber neue Wege im Genre beschreiten und zeigt den Fluch als eine Krankheit, per Geburt übertragen, ein genetischer Defekt, wenn man so will – eine Pointe, die sich der ein Jahr jüngere WER (2013) ausgeliehen zu haben scheint. Wenn Regisseur Louis Morneau einen Epileptiker zeigt, dessen Krankheit den Dorfbewohnern unbekannt ist und die das akute Stadium dann für eine Verwandlung in das Untier halten und ihn töten, verweist er auf die Möglichkeiten, die in einer Interpretation als Infekt liegen. Das uns fremde Gebaren, vielleicht durchaus erklärbar, macht Angst und wird fehlinterpretiert. Der „Kranke“ wird separiert und ausgeschlossen, bzw. eingeschlossen, um separiert zu werden. Im Zweifelsfall tötet man ihn und auch andere, wenn man sich nicht sicher sein kann, ob auch die befallen sind. Die Szene im Kerker, in der der Epileptiker und seine Zellengenossen allesamt abgeschlachtet werden, ist ausgesprochen bedrückend, weil sie, anders als die gewollt ekelhaften Gore-Szenen, in denen Leichenteile zerhackt und Gedärm als Köder für die Bestie ausgelegt werden, einen durchaus realistischen Charakter aufweist. Die Leichen und Leichenwagen, die dauernd durch das Dorf geschoben werden und von denen kaum wer Notiz zu nehmen scheint, deuten ebenfalls den Infekt- und Seuchencharakter an. Eine Gesellschaft im Ausnahmezustand, wollte man meinen. Doch sind die Zeichen, die der Film gibt, zugleich derart, daß wir auch annehmen könnten, daß diese Art Ausnahme hier immer herrscht. Als permanenter Ausnahmezustand.

Der Film versteht es durchaus, Atmosphäre zu schaffen, die Schocks, wenn auch selten, sind gut gesetzt, die Entwicklung der Figuren ist vergleichsweise gut nachgezeichnet und die Schauspieler bieten allesamt durchaus ansprechende Leistungen. Das Gefühl der Entfremdung, das den Zuschauer schnell befällt und welches sich auch den Film hindurch hält, schafft es durchaus, daß man sich unwohl fühlt und zumindest ein wenig graust. Die Autoren des Drehbuchs haben sich einige Neurungen einfallen lassen, um ihrem Film den einen oder anderen Dreh zu geben. So scheint die Gegend, in der die Handlung spielt, offensichtlich schon lange von Werwölfen heimgesucht zu sein, an dem, der hier sein Unwesen treibt, erschüttert auch eher seine Fähigkeit, sich unabhängig vom Vollmond und auf eigenen Wunsch hin verwandeln zu können, zudem kann dieses Untier zumindest instinktiv erfassen, wen es tötet und deshalb auch verschonen. Der Werwolf-Jäger Charles wird gelegentlich mit Van Helsing aus dem Dracula-Zyklus verglichen, mehr noch lässt der Film bei seiner Erscheinung und seinem Auftreten allerdings an die  Helden diverser Italo-Western denken. Die Figur mag so, wie sie im fertigen Film erscheint, den im postmodernen Horrorfilm geschätzten Cross-Over-Mischungen (THE LEAGUE OF EXTRAORDINARY GENTLEMMAN/2003; VAN HELSING/2004) geschuldet sein; ob es passt, einen Kerl, den nichts aus der Ruhe zu bringen vermag und der selbst der größten Bedrohung mit größter Ruhe und Coolness begegnet, ausgerechnet in einem Horrorfilm zu platzieren, sei einmal dahingestellt. Immerhin gibt es Regisseur Morneau die Gelegenheit, Action einzubauen und ein wenig zusätzlichen Blutzoll zu entrichten, wenn Charles und seine Mannen (und Frau) auf die lokalen Jäger treffen und es ein Massaker gibt, weil die Lokalen natürlich den Fallen, mit denen sie durch Charles konfrontiert werden, nicht gewachsen sind.

Die eigentliche Neuerung jedoch besteht in dem Drehbuch-Twist, Daniel, der vergleichsweise früh und unspektakulär begreift, daß das Untier, dem er auf der Spur ist, in ihm selber ruht, den „Fluch“, oder „die Krankheit“, bezwingen und dann beherrschen zu lassen. Zwar gibt es immer wieder das Werwolf-Motiv in Kombination mit dem Vampir, doch im klassischen Werwolf-Mythos gab es zuvor keinen Versuch, das Tier als domestiziert und damit kontrolliert zu zeigen. Daß die Liebe angeblich im Stande sei, den Verfluchten zu erlösen, wird in fast allen Werwolf-Geschichten betont, dies aber auch einmal nicht tragisch zu zeigen und sie so wirken zu lassen, hat sich zuvor niemand so recht getraut. Das ist im Kontext des Films ein doch sehr versöhnliches Ende, nachdem wir zuvor begreifen mussten, wer da nicht alles sein eigenes Süppchen kocht…

WEREWOLF: THE BEAST AMONG US sollte allerdings nicht überbewertet werden. Obwohl er durchaus zu überzeugen vermag, sticht der Film nicht aus dem Einheitsbrei dessen hervor, was heutzutage an Horror-Kost geboten wird. Er weiß leidlich zu unterhalten und überzeugt mit einigen durchaus gelungenen Schock-, Schlock- und Goreszenen, zudem ist er vergleichsweise gut gespielt. Das allerdings ist dann auch wirklich alles Positive, was man darüber sagen kann. Dutzendware.

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