DEN STURM ERNTEN/MISSIONARIES

Ein kluges und erschütterndes Buch zum Kriege

Zum Kriege gibt es etliche Theorien. Natürlich militärimmanente, die von Strategien und Taktiken im Gefecht künden, aber auch jede Menge metatheoretische, die sich mit dem Wesen des Krieges beschäftigen, mit den Motiven, die Kriege auslösen, damit, wieso Kriege zu welchen Zeitpunkten ausbrechen. Es gibt Theorien, die an jene zum „kulturellen Gedächtnis“ andocken und argumentieren, daß mit dem Vergehen der Zeit, dem Sterben der Augenzeugen, auch die Schrecken schwinden, die Krieg eben auch bedeuten. Entweder wird die Erinnerung formiert und einem tradierten Erinnern überantwortet oder sie wird gar dem Mythos zugeeignet. Andere, bösere Theorien gehen davon aus, daß – zumindest lokal/regional begrenzte – Kriege eine soziale Funktion haben. Demnach müssen aus jeder Generation ca. 30% der jungen Männer in einen Krieg ziehen, damit überschüssiges Testosteron abgebaut werden kann. Junge Männer werden so implizit als grundlegende Bedrohung für ein funktionierendes Gemeinwesen gebrandmarkt. Man hört es nicht gern, kann sich aber des grundlegenden Gedankens nicht ganz erwehren.

Dennoch möchte man eine solche Betrachtung natürlich zurückweisen – und stellt, beschäftigt man sich mit den kulturellen Zeugnissen zum Krieg, gleich ob Literatur, Theater, Lyrik oder Film – fest, daß das Thema meist aber Männer interessiert und fasziniert. Sie scheinen nun einmal die treibende Kraft hinter kriegerischen Auseinandersetzungen zu sein. Und folgt man einigen der wesentlichen literarischen Publikationen der letzten Jahre, die sich mit dem Thema beschäftigen, sind es letztlich eben auch Männer, die den Krieg als Möglichkeit politischer Konfliktlösung, aber auch als ein persönliches Bewährungsfeld betrachten. Immer noch – und immer wieder.

Es ist dies auch einr der zentralen Erkenntnisse eines Werks wie Phil Klays DEN STURM ERNTEN (MISSIONARIES,2020; Dt: 2021). Oder, besser gesagt, ist es eine der Erkenntnisse, die sich dem Leser während und nach der Lektüre des Buchs aufdrängen. Klay erzählt in den ersten beiden Abschnitten seines Romans aus der jeweils subjektiven Perspektive von vier Protagonisten über einen Zeitraum von nahezu 30 Jahren. So lernen wir diese Hauptprotagonisten der Erzählung und ihre jeweiligen Lebensgeschichten kennen und einzuschätzen.

Abel berichtet von seiner Kindheit, dem Mord an seiner Familie – und seines Dorfes – im kolumbianischen Grenzgebiet zu Venezuela zum Ende der 80er Jahre. Er erzählt, wie er in die Hände einer der vielen konkurrierenden Gruppen – Narcos, Paramilitärs, offizielles Militär, Guerilla – fiel und sich dort hochdiente. Die Amerikanerin Lisette ihrerseits berichtet von ihren Einsätzen als Journalistin in Afghanistan und Irak ab 2001, sie erzählt aber auch von der Entfremdung von ihrer Heimat, dem ländlichen Pennsylvania, von ihrer Familie, und davon, wie sie, wie so viele Kriegsreporter, nach und nach dem Reiz der Gefahr verfällt und anfängt, sich immer wildere Begründungen zu liefern, weshalb sie wieder und wieder in Kriegsgebiete zurückkehrt und meint, von dort berichten zu müssen – auch, wenn es in der Heimat niemanden mehr zu interessieren scheint. Mason ist ein amerikanischer Militärangehöriger, der sich seine ersten Meriten ebenfalls in den Kriegen in Folge von 9/11 erworben hat, mittlerweile aber – älter und in der Hierarchie des Militärs aufgestiegen – in Kolumbien Dienst tut, wo er zur Ausbildung der kolumbianischen Special Forces beiträgt, die im Kampf gegen die Drogenkartelle zum Einsatz kommen sollen. Juan Pablo ist Masons Verbindungsmann beim kolumbianischen Militär. Er ist ein Hund des Krieges, ein Mann, der den Krieg liebt und für notwendig hält, vor allem in Gesellschaften wie denen Südamerikas, die keine demokratische Tradition haben und seiner Meinung nach mit Gewalt zusammengehalten werden müssen.

Im letzten, dem längsten Abschnitt des Buches, laufen die Geschichten dieser vier Menschen – und etlicher Nebenfiguren – in Kolumbien zusammen. Es sind die Jahre 2016/17, die Volksbefragung zum Friedensabkommen mit der FARC, der bestimmenden kolumbianischen Guerillatruppe, die sich als sozialrevolutionär verstand, steht bevor. In diesem Umfeld versucht jede Gruppe und Gruppierung, versuchen die Militärs, die Polizei, zu der es in Konkurrenz steht, versuchen NGOs, die Amerikaner und die Politik ihr jeweils eigenes Süppchen zu kochen, um sich ihr jeweiliges Stück vom Kuchen zu sichern, den Kolumbien in ihren Augen darstellt. Die Situation spitzt sich zu, als Lisette von einer eher marginalen lokalen Gruppe entführt wird, die sie für eine CIA-Agentin hält und das fragile Gleichgewicht, das gerade in dieser Region des Landes herrscht, massiv gefährden, nicht zuletzt dadurch, weil sie die Aufmerksamkeit von Kräften auf sich und die Region lenken, weil sie empfindlich die Verhandlungen lokaler Gangster und ehemaliger Guerillas stören.

Klay beschreibt gerade diese oft undurchschaubaren politischen Zusammenhänge ebenso, wie er ganz konkret von Kampfeinsätzen und vor allem – nahezu unerträglich – von der Gewalt erzählt, die all diese Menschen auf die eine oder andere Art über das Leben sehr, sehr vieler anderer bringen und welche sie meist auch selbst ertragen haben. Phil Klay diente selbst lange Jahre als Marine, u.a. war er im Irak eingesetzt. So sind vor allem seine Beschreibungen und die Betrachtungen, die er vornehmlich Lisette hinsichtlich des amerikanischen Einsatzes im Nahen Osten und in Afghanistan treffen lässt, eigener Anschauung und eigenen Erfahrungen geschuldet. Nun gibt es natürlich etliche Bücher – Sachbücher wie Belletristik, Erfahrungsberichte und politische wie soziale Analysen – von ehemaligen Soldaten, Offizieren, Scharfschützen und Ortskräften in- und außerhalb der USA. Selten allerdings sind diese Autoren wirklich befähigt, Literatur zu verfassen. Schlimmstenfalls kommt Kitsch dabei heraus. So zu beobachten bei einem Werk wie DIE WEITE LEERE von J. Todd Scott, der zwar jede Menge Erfahrung als Ranger an der amerikanisch-mexikanischen Grenze haben mag, deshalb aber noch lange keinen guten Krimi über illegale Einwanderung und die Härten des Lebens der Grenzkontrolleure hinbekommt.

Das ist bei Phil Klay definitiv anders. Nach seinem Debüt – der Kurzgeschichtensammlung WIR ERSCHOSSEN AUCH HUNDE (REDEPLOYMENT; 2014) – bereits hochgelobt und als neue Stimme am amerikanischen Literaturhimmel gefeiert, verglichen mit Hemingway, Conrad oder Remarque, konnte er für DEN STURM ERNTEN allerhöchste Meriten einheimsen, u.a. wurde das Buch von Barack Obama zu seinem „Book of the year“ ernannt. Und das Lob ist berechtigt. Sicher, man muß sich grundlegend für das Thema interessieren, muß in Kauf nehmen, mit einer Menge technischer Details, gerade was Waffen und Waffensysteme betrifft, behelligt zu werden und muß vor allem – das sei wirklich noch einmal explizit erwähnt – in den ersten beiden Abschnitten des Textes teils unerträgliche Gewaltbeschreibungen ertragen. Dabei gehört Klay aber keinesfalls zu denen, die offiziell behaupten, gegen die Gewalt anzuschreiben, ihr und ihrer Darstellung hinterrücks aber erliegen und ihre heimliche Faszination daran kaum verbergen können. Eher sachlich beschreibt Klay Momente solch entgrenzter menschlicher Brutalität, daß gelegentlich der Eindruck entsteht, hier schreibt ein Traumatisierter, einer, der selbst fassungslos vor dem Phänomen steht, daß er ihm nur mit äußerster Nüchternheit begegnen kann.

Klays wirkliche Stärke liegt aber woanders. Es sind zum einen die Figuren, die er durchweg glaubwürdig gestaltet und denen er, manchmal vielleicht etwas zu vereinfacht, eine jeweils eigene Stimme verleiht. Das gelingt – naturgemäß? – vor allem bei den Amerikanern sehr gut. Zwar liegt der Fokus dieser Figuren auf den Einsätzen im Ausland, also auf ihrem Beruf, doch kann Klay sowohl Lisette als auch Mason mit genug individueller Geschichte ausstatten, um sie lebensnah zu gestalten. Wir begreifen, weshalb Lisette immer gieriger auf immer gefährlichere Einsätze wird, bis es sie beinah erwischt; aber wir begreifen auch, wie ein Mann wie Mason, ein nachdenklicher Mensch, spätestens nach der Geburt der eigenen Tochter vorsichtiger wird und froh ist, aus den gefährlichen – ihn aber auch faszinierenden –  Einsätzen in Irak und Afghanistan mit einem vermeintlich leichteren Auftrag nach Südamerika geschickt zu werden, wo er schlicht ein Ausbilder ist. Später, als er als hochrangiger Offizier zurückkehrt, ist er längst ein situierter Militär, der selbst keine gefährlichen Einsätze mehr zu bestehen hat, sondern bestehen lässt.

Bei den südamerikanischen Figuren sieht es etwas anders aus. Sowohl Abel als auch Juan Pablo, aber auch etliche Nebenfiguren, wie die junge Luisa oder der Bandenchef Jefferson, wirken häufig medialen Vorbildern nachempfunden. Sie wurden offensichtlich der beeindruckend langen Liste von Werken entlehnt, die Klay zu Rate gezogen hat, um den kolumbianischen Teil seiner Erzählung wahrheitsgetreu zu rekonstruieren. Dennoch kann man auch an diese Charaktere glauben. Gerade Juan Pablo nimmt eine zentrale Funktion im Text ein, da er einen unverstellt männlichen Blick auf das Wesen der Gewalt, des Krieges, des Konflikts, bietet, der letztlich auch der wesentliche ist, um das Buch zu verstehen. Die Trauer zu verstehen, die dem Text zugrunde liegt. Abel hingegen markiert exemplarisch genau den Übergang vom Opfer zum Täter. Ihm entgegengestellt ist Luisa. Beide stammen aus demselben Dorf, beide sind Opfer von Gewalt geworden. Doch während Abel die Gewalt anzunehmen scheint – ob aus Angst oder aus Faszination, sei dahingestellt – geht Luisa den entschieden gegenteiligen Weg. Sie heuert bei einem Universitätsprogramm an, welches maßgeblich daran arbeitet, zum gesellschaftlichen Ausgleich beizutragen, indem es u.a. Vergebung einfordert. Ähnlich der südafrikanischen „Wahrheitskommission“, die nach dem Ende der Apartheid eingesetzt wurde, um die tiefgreifenden Wunden und Gräben der Gesellschaft durch Dialog und Austausch zu verarbeiten. Dazu gehört in Luisas Fall aber auch, genau jene Männer in Rehabilitationsprogrammen unterzubringen, denen sie einst zuschauen musste, wie sie ihren Vater öffentlich auf dem Dorfplatz mit einer Kettensäge hinrichteten.

Zum Kern des Buchs dringt man aber nur über die Figur des Juan Pablo vor. Einer Militärdynastie entstammend, war er, wie einst sein als es opportun erschien in Ungnade gefallener Vater, in seiner Vergangenheit an etlichen Gräueltaten beteiligt. Taten, von denen er nicht unbedingt will, daß seine Tochter Valencia davon erfährt. Juan Pablo macht allerdings keinen Hehl daraus, daß er jede einzelne Tat, jedes Massaker, jede Folterung, jeden Mord in seinem spezifischen Kontext nach wie vor für gerechtfertigt hält. Wie viele Militärs, ist auch er strikter Gegner des Friedensabkommens mit der FARC und zudem daran interessiert, gewisse Kompetenzen von der Polizei zum Militär zu ziehen, was ihm die Möglichkeit böte, Kommandounternehmen gegen die Drogenbanden anzuordnen, die definitiv nicht den ausgehandelten Bedingungen eines Friedensvertrags gerecht würden. Klay driftet nicht in Machoklischees von südamerikanischen Amigos ab, vielmehr lässt er Juan Pablo als einen gebildeten, konservativen, aber auch bis zum Zynismus ehrlichen und aufgeklärten Mann auftreten. Der hält auch keine großen Reden, doch in einigen zentralen Monolog- wie Dialogstellen können wir erahnen, daß er durchaus einem Soldatenethos anhängt, daß er den Krieg als männliches Ausdrucksmittel, die Gewalt als Mittel zur Kommunikation betrachtet.

Und genau diese Sichtweise, die Mason und vor allem Jefferson, aber in einem tiefgründigeren Bezug auch Lisette bestätigen, ist es, was den Grundton des Romans, seine Melodie, das Thema bestimmen. Abel und Luisa hingegen stehen für genau all jene, die in jedem Krieg untergehen, weil sie als unbedeutend, als Kanonenfutter oder Kollateralschaden betrachtet werden. Opfer und Täter zugleich, ambivalente Figuren, die gegen die Dämonen und die Leere im eigenen ausgebrannten Ich ankämpfen müssen und letztlich immer verlieren. Gleich, ob sie überleben oder einen gewaltsamen Tod finden. Sie sind die Figuren, die auf den abstrakten Schachbrettern der Mächtigen hin und her geschoben werden, deren individuelles Leben im Grunde niemanden interessieren, austauschbare Zahlen in endlosen Zahlenkolonnen. Erst recht, wenn sie keine Amerikaner sind. Wobei „Amerikaner“ durch „Briten“ oder „Deutsche“ ersetzt werden kann. Deren Leben zählt, wie der Einsatz und der der Aufwand, der betrieben wird, beweisen, als Lisette im Dschungel verschwindet, ein lebendes Pfand, ein Verhandlungsgegenstand in einem letztlich politischen Konflikt. Eine weitere weibliche Figur, in einem von Grund auf männlichem Spiel.

Solange aber Männer wie Juan Pablo den Krieg für eine Tugend halten, Männer wie Diego, ein ehemaliger U.S.-Soldat und Gelegenheitsliebhaber von Lisette, den Krieg hingegen als Einnahmequelle betrachten, weil sie als moderne Söldner für sehr gutes Geld dort arbeiten, wo man sie hinbeordert, und solange Männer wie Abel, aber auch Frauen wie Luisa und Alma, die für ihren Mut, über die Verbindungen einzelner Gruppen und deren Taten auszusagen, auf grausame Art bestraft wird, den Krieg als einen natürlichen Zustand hinnehmen, solange wird es Kriege geben. Das Sein bestimmt das Bewußtsein? Ja, das stimmt schon. Aber es ist auch ein Wechselspiel, denn das Bewußtsein projiziert das empfundene Dasein auch in die Realität zurück – und beeinflusst sie. Und Männer wie Juan Pablo, aber auch Mason, sind diejenigen, die das Spiel vollkommen durchschauen, ihm jedoch metaphysische Dimensionen zuschreiben und es so, völlig bewußt und unter Berücksichtigung aller Schrecken, die das beinhaltet, weitertreiben. Der Originaltitel MISSIONARIES verweist doppelbödig auf diese Metaphysik des Krieges. Missionen, den Begriff kann man auf eine militärische Mission beziehen, jedoch hat er eben auch einen religiösen Aspekt, denn das, was da im Namen der Demokratie in allen möglichen Kontinenten getrieben wird, wird allzu oft als demokratische oder als Friedensmission angepriesen. Missionen im höheren Auftrag, gleich ob sakraler oder profaner Natur.

Mason nimmt dabei allerdings noch einmal eine Sonderrolle ein. Denn er repräsentiert einen Typus Amerikaner, der zwar auch längst zu einem Klischee geronnen ist, dennoch aber nach wie vor auch eine Wahrheit vermittelt. Es ist der Typus des Opportunisten. Die CIA, das ist heute weitestgehend belegt, war gerade in Südamerika nie zimperlich. In „Amerikas Hinterhof“, wie der südamerikanische Kontinent gern abfällig tituliert wird, sorgte man gern rechtzeitig für klare Verhältnisse. Und während man in Europa noch die Musterdemokratie BRD aufbaute, mißachtete man in Südamerika schon in den 50er Jahren (im Grunde schon lange zuvor, nimmt man die diversen Handelskriege zu Beginn des 20. Jahrhunderts hinzu, die oft sehr heiß wurden) alle demokratischen Gepflogenheiten und machte sich früh daran, nicht genehme Regierungen zu destabilisieren oder gleich zu stürzen.

Der viel gepriesene „War on Drugs“, den schon Nancy Reagan Mitte der 80er Jahre ausgerufen hatte, wurde mit ähnlich dreckigen Mitteln geführt und Klay führt exemplarisch vor, wie sich die USA bei allen solchen Operationen – anfangs auch in Vietnam, worauf im Buch mehrfach und in unterschiedlichen Kontexten Bezug genommen wird – lokale Gruppen zunutze machten, Unfrieden stifteten, Keile in Gesellschaften trieben und vorhandene Konflikte bewußt anheizten und verstärkten. Nur, um ihre Hände im Zweifelsfall in Unschuld zu waschen. Groß- oder Supermacht-Gehabe. Und genau diesen Habitus strahlt der ach so zivilisierte, durch die Geburt seiner Tochter, wenn nicht geläuterte, dann aber schon zu höherer Einsicht gelangte Mason aus. Er bleibt im Hintergrund und kennt doch alle Mechanismen und Techniken, um amerikanische Interessen – und sei es auch nur das Leben einer an sich uninteressanten Journalistin – durchzusetzen.

Klay verwebt all diese Ebenen, die verschiedenen und teils sehr unterschiedlichen Kontexte, äußerst geschickt. Sprachlich kann er überzeugen (Dank der Leistung des Übersetzers Hannes Meyer auch im Deutschen gut zu verfolgen), in der Differenzierung und der Ambivalenz, welcher er den Leser aussetzt und es ihm damit nicht leicht macht, manchmal sogar unerträglich schwer, zeigt sich die literarische Klasse dieses Autors. Er urteilt nicht, sondern er überlässt es seinen Lesern, Schlüsse aus dem Geschilderten zu ziehen. Er ist auch erstaunlich wenig manipulativ in der Figurenzeichnung. Klay ist oft rein deskriptiv, lässt die Figuren dann aber reflektieren, was sie in ihrem jeweiligen Ausschnitt der Wirklichkeit des Krieges wahrnehmen. Und lässt sie daraus ihre Schlüsse ziehen. Dies auch in den Widersprüchen, in denen sie zueinander stehen, denen sie aber auch oft immanent unterliegen, nachvollziehen und sogar verstehen zu können, ist das Verdienst dieses wirklich klugen Buchs über den Krieg. Zugleich ist es aber auch seine größte Zumutung an das Publikum.

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