GEFAHR AUS DEM WELTALL/IT CAME FROM OUTER SPACE II

Eine Neubetrachtung in Ergänzung und als Erweiterung einer älteren Besprechung des Films

In der Wüste Arizonas liegt das Städtchen Sand Rock. Hier lebt, neben etlichen braven Bürgern, auch der Schriftsteller und Journalist John Putnam (Richard Carlson). Er und Ellen Fields (Barbara Rush) sind ein Paar, doch wollen sie sich nun offiziell verloben.

Eines Abends beobachten sie durch Putnams Teleskop – er ist Hobby-Astronom – wie ein Meteorit in der Nähe einschlägt. Am nächsten Morgen mieten sie einen Helikopter und lassen sich zur Absturzstelle fliegen. Putnam kriecht in den Krater und beobachtet ein UFO, dessen Luke offensteht. Als er ins Innere des Schiffes blickt, sieht er ein fremdartiges Wesen. Dann wird die Luke geschlossen und ein Steinschlag verbirgt das Schiff.

Nach und nach treffen Polizei, Reporter und Schaulustige ein. Putnam gibt zum Besten, was er gesehen hat, aber niemand, auch nicht ein befreundeter Astronom, will ihm glauben. Im Gegenteil – da John als Zugezogener und Außenseiter eh mißtrauisch in der Stadt beäugt wird, hält man ihn nun für ein wenig verrückt. Sheriff Matt Warren (Charles Drake) erklärt Putnam sogar, die Leute hätten Angst vor ihm. Er selbst mag Putnam ebenfalls nicht, da er ein Jugendfreund von Ellen ist und deren Verbindung zu dem Mann mißbilligt.

Ellen ist die einzige, die Putnam glaubt und dies auch vor allen anderen vertritt. Ellen und Putnam begegnen auf dem Highway den Arbeitern Frank (Joe Sawyer) und George (Russell Johnson). Man kennt sich und redet normal miteinander. Doch schon wenige Minuten später – Putnam wollte noch einmal die Absturzstelle besichtigen – scheinen die beiden wie ausgewechselt. Als Putnam George offen zur Rede stellt, gibt dieser zu erkennen, daß er in Wirklichkeit ein Außerirdischer ist, der sich nur vorübergehend der Gestalt Georges bedient, da sein „natürliches“ Aussehen zu schrecklich wäre. Der fremde Mann mit Georges Aussehen erklärt Putnam, daß sie Zeit bräuchten. Offenbar wurde das Raumschiff bei dem Absturz beschädigt.

Mittlerweile wurde der Sheriff von Franks und Georges Frauen benachrichtigt, daß deren Männer seltsam und wie ausgewechselt wirkten. Nun beginnt auch er zu glauben, was Putnam sagt. Der beschwört den Sheriff, die Außerirdischen nicht anzugreifen, sie seien in friedlicher Absicht gelandet, bzw. notgelandet, wenn man es genau nimmt. Sheriff Warren erklärt sich einverstanden, das Gebiet großräumig abzusperren.

Putnam hat eine weitere Begegnung mit den Fremden, bei der sie ihm erklären, was genau sie vorhaben. Sie erklären aber auch, daß sie ebenfalls eine Seele hätten, wie der Mensch, jedoch weiser seien. Sie wüssten, daß das Äußere, so fremd es erscheinen möge, nichts über den Charakter eines Wesens aussagen würde. Deshalb würden sie sich lieber hinter der Charade verstecken, als sich offen zu zeigen und angegriffen zu werden.

Mittlerweile hat sich der Wind in der Stadt gedreht. Immer mehr Bewohner von Sand Rock verschwinden. Schließlich auch Ellen. Das veranlasst Warren, nun doch eine Mannschaft zusammenzustellen und zu bewaffnen. Er will nun gegen die Außerirdischen vorgehen.

Putnam, außer sich vor Sorge, ahnt, daß die Außerirdischen sich in der alten Mine auf der Rückseite der Absturzstelle befinden. Er entwendet das Fahrzeug des Sheriffs, fährt zur Mine und klettert hinein. Hier begegnet er Ellen, bzw. deren Duplikat.

Da es zuvor zu einer Auseinandersetzung zwischen Bürgern und einem der Außerirdischen gekommen ist, glaubt die Besatzung des UFOs Putnam nicht mehr. Sie meinen, er habe sie verraten. Das Ellen-Duplikat greift ihn sogar an, woraufhin er mit einem Revolver schießt und das fremde Wesen tötet.

Tiefer in der Mine trifft Putnam nun auf die Besatzung des Raumschiffs, alle in menschlicher Gestalt. Sogar Putnam selbst wurde dupliziert – offenbar vom Anführer der Außerirdischen. Dieser repariert den Motor des Raumschiffs, erklärt aber auch, daß es in ihrer Macht läge, die ganze Erde zu zerstören. Putnam bittet darum, die originalen Menschen, so sie noch lebten, freizulassen, um den Bewohnern von Sand Rock zu zeigen, daß man keine bösen Absichten hege. Der Anführer stimmt zu.

Putnam führt die Leute aus der Mine. Draußen treffen sie auf Sheriff Warren und dessen Leute. Putnam kann sie noch einmal überzeugen, jetzt nicht in die Mine, deren Eingang er mit Sprengstoff verschlossen hat, einzudringen. Warren will dennoch gegen die Außerirdischen vorgehen. Doch während Warren und Putnam noch streiten, bebt die Erde und das Raumschiff startet. So kann das Schlimmste verhindert werden.

Vielleicht kann ein analytischer Text zu einem Film wie Jack Arnolds erstem der Science-Fiction zuzurechnendem Werk IT CAME FROM OUTER SPACE (1953) nur mit dem Hinweis darauf beginnen, dass heutzutage nur jene noch Interesse daran hegen, denen Liebhaberei attestiert werden muss. Zu entfernt ist diese Art Kino in einer Gegenwart der CGI– und KI-gestützten Spezialeffekte und Tricks, in einer Zeit, in der man nicht einmal mehr von „gefälschten“ Bildern sprechen kann, scheint die Realität der abgebildeten Welt, der Abbildung als solcher, doch längst ein eigener Kosmos zu sein, eine Realität eigenen Rechts. Wenn man abstürzende UFOs – von „Raumschiffen“ will man gar nicht sprechen, obwohl gerade in Arnolds Film explizit von einem solchen die Rede ist – in Filmen der 50er Jahre sieht, sieht man eben auch jede Nylonschnur, an der sie aufgehängt wurden, sieht man jede Styroporverkleidung, jedes Gips- und Schaumstoffteil, das hier Verwendung fand. Es erfordert gleichsam eine eigene Form der Fantasie, diese Filme zu betrachten und ihnen auch nur ein Quäntchen Realismus zugestehen zu wollen. Gelingt das nicht, können sie nur noch als unfreiwillig komisch betrachtet werden. Camp in Reinkultur, dann allerdings im besten Sinne des Wortes.

Doch gibt es eben auch die Liebhaber, diejenigen, die vielleicht als letzte, in den 70er und den frühen 80er Jahren aufgewachsen, noch mit dem Zauber der „alten“ Techniken groß wurden und quasi gelernt haben, diese Form des filmischen Schaffens zu lieben, geradezu zu verehren. Die im Abendprogramm erstmals KING KONG (1933) sahen und tatsächlich glaubten – glauben wollten – dass da ein riesiger Affe am Empire State Building (dessen Namen man natürlich gar nicht kannte) herumkletterte und eine Frau in seinen riesenhaften Händen bei sich führte. Und sie waren es auch, die die Filme von Jack Arnold erstmals in den 3. Programmen sahen, wo der Meister einmal die Woche nach der Ausstrahlung eines seiner Filme erzählen durfte. Es war eine andere Zeit und eine Art der Film-Sozialisation.

Das also ist die Voraussetzung, will man über einen Film wie diesen nicht nur als Zeitdokument sprechen, der er ja ohne Frage auch ist, sondern tatsächlich als Film. Als Unterhaltungsfilm, der Spannung erzeugt und sein Publikum fesseln will. Trotz der billigen Tricks und der schlechten Schauspieler und des – vermeintlich – einfachen Drehbuchs. Arnold hatte, bevor er für die Universal Studios B-Movies zu drehen begann, ca. 25 Dokumentarfilme hergestellt, deren bekanntester WITH THESE HANDS (1950) sein dürfte, ein Plädoyer für die Gewerkschaftsarbeit. Sein erster regulärer Spielfilm war dann der Film-Noir-Thriller GIRLS IN THE NIGHT (1953), bevor er mit IT CAME FROM OUTER SPACE in jenem Fach reüssierte, für welches er in die Filmgeschichte eingegangen ist.

Basierend auf einem Treatment von Ray Bradbury, hatte Harry Essex ein Drehbuch verfasst, welches vom Absturz eines außerirdischen Raumschiffs in der Wüste von Arizona berichtet. Da die fremdartigen Wesen schnell begreifen, dass die Menschen noch längst nicht reif sind für eine Begegnung mit Lebensformen von anderen Planeten, nehmen sie vorübergehend das Äußere von jenen an, mit denen sie mehr oder weniger zufällig in Kontakt treten. Der Hobbyastronom John Putnam ist der Einzige, der ihnen weitestgehend unvoreingenommen begegnet und so verhindern kann, dass sie – aus Angst, aber auch in der Erkenntnis, dass der Mensch, wenn auch aus Furcht vor dem was er nicht kennt, destruktiv ist – den Planeten Erde mit ihren Energiewaffen vernichten.

Bradbury erklärte später, dass ihm Robert Wise´ Film THE DAY THE EARTH STOOD STILL (1951) ausgesprochen gut gefallen habe. Ein in der Zeit des Kalten Kriegs geradezu pazifistischer Film, der zur Völkerverständigung aufrief und damit vollkommen gegen den Strich der damals üblichen Hollywood-Propaganda gebürstet war. Bradbury wollte mit seiner als THE METEOR vorgelegten Grundidee eine Variation des Themas erstellen. Allerdings unterscheiden sich die Filme in entscheidenden Punkten. Denn in Wise´ Klassiker kommt ein gottgleiches Wesen auf die Erde und ermahnt die Menschheit, sich friedlich zu gerieren. In IT CAME FROM OUTER SPACE wollen die Außerirdischen eigentlich nur möglichst schnell wieder weg, sie wollen nicht entdeckt werden und brauchen lediglich Zeit, ihr Schiff zu reparieren. Das nimmt der Handlung viel von jenem quasi-religiösen Unterton, der den älteren Film prägte und manchmal in seinem Pathos doch schwer erträglich macht. Bei Arnold spielt sich alles einige Nummern kleiner ab, nicht in der Hauptstadt Washington, D.C., sondern in einem Provinzkaff in der Wüste. Ein für die Filme Jack Arnolds ganz typisches Setting.

Arnolds Filme – wie viele vergleichbare Werke jener Tage, aber auch vergleichbar dem Horrorfilm der 70er Jahre – sind immer auch ein Stück weit reines Americana. Er beschwört oftmals jene amerikanische Alltagskultur herauf, die die „kleinen Leute“ beherbergt, wo der Durchschnittsbürger und die Durchschnittsbürgerin, Mr. Und Mrs. Doe, ihr Leben fristen, ohne allzu hohe Ansprüche zu stellen, lediglich mit dem Wunsch, in Frieden leben zu können. Hier fährt man die damals beliebten großen Wagen, die Cadillacs und Thunderbirds, man trinkt seinen Kaffee an der Tankstelle oder im Diner, wo man auch seinen Burger isst, im Kino werden familientaugliche Filme gezeigt und man geht früh zu Bett, um sich morgens erfrischt einem neuen Tag und der Arbeit anzunehmen. Letzteres erklärt ein Voiceover tatsächlich zu Beginn des Films. Das, so wollte man meinen, soll einen geradezu dokumentarischen Eindruck vermitteln.

Es sind genau dies die Orte, die all das repräsentieren, was den „American Way of Life“ definiert: Die amerikanische Lebensart, die gerade in den technisch betrachtet enorm fortschrittlichen, kulturell betrachtet umso reaktionäreren 50er Jahren um jeden Preis gegen Angriffe von außen – was so viel bedeutete wie: gegen den Kommunismus – verteidigt werden musste. Die allermeisten Science-Fiction-Filme jener Jahre – auch einige, die Arnold realisierte – zeugen von der die Gesellschaft im Kalten Krieg zusehends grundierende Paranoia, von Agenten der Sowjetunion unterwandert zu werden; Agenten, die angeblich überall lauerten und es darauf abgesehen hatten, zu zersetzen, was ein aufrichtiger Amerikaner doch so liebte.

Dieses paranoide Element schlug sich u.a. in einem Sub-Genre der Science-Fiction nieder, welches man mit „Körperklau“ umschreiben könnte. In einer ganzen Reihe von Werken dieser Art konnte man verfolgen, wie außerirdische Wesen – die unschwer als Metapher für kommunistische Unterwanderung zu erkennen waren – sich menschlicher Körper bemächtigten und diejenigen, die bereits „befallen“ waren, zu willenlosen, gleichgeschalteten, leeren, zombieartigen Hüllen machten. William Cameron Menzies´ INVADERS FROM MARS (1953), Gene Fowler Juniors I MARRIED A MONSTER FROM OUTER SPACE (1958) und vor allem Don Siegels INVASION OF THE BODY SNATCHERS (1956), das unumwundene Meisterwerk dieser Kategorie, nutzen allesamt das Motiv des geklauten und entfremdeten Körpers; allerdings – sieht man einmal von Siegels Film ab, der zu vielschichtig ist, um ihn eindeutig den antikommunistischen Propagandawerken zuzuordnen – immer in der Absicht, eine feindliche Übernahme in feindseliger Absicht darzustellen.

Das ist in IT CAME FROM OUTER SPACE, wie bereits dargelegt, grundlegend anders, was, wie ebenfalls schon erwähnt, auf Bradburys Idee zurückzuführen ist. Dass Ray Bradbury ein liberaler Geist war, hatte er zur Zeit der Dreharbeiten bereits mit Romanen wie THE MARTIAN CHRONICLES (1950), in welchem er von der Besiedlung des Mars´ als äußerst kritische Nach- und Neuerzählung derer des nordamerikanischen Kontinents berichtete, oder auch FAHRENHEIT 451 (1953) bewiesen, letzterer längst zu einem modernen Klassiker avanciert und in den fragwürdigen Rang der Schullektüre aufgestiegen. Und auch seine Sammlungen von Kurzgeschichten wie THE ILLUSTRATED MAN (1951) oder THE GOLDEN APPLES OF THE SUN (1953) zeugten nicht nur von Bradburys außergewöhnlichem literarischen Talent, sondern auch von seinem Willen, das Genre in andere Bahnen zu lenken, fort von den in den USA so beliebten Groschenromanen, hin in jene Sphären, in denen die europäische Science-Fiction längst schon schwebte.

Dass der Autor sich von einem Film wie THE DAY THE EARTH STOOD STILL begeistert zeigte, sollte also nicht verwundern; dass er ein Treatment wie das für IT CAME FROM OUTER SPACE entwarf, auch nicht. Eher ist es bewundernswert, dass er in Hollywood auf Produzenten, Drehbuchautoren und einen Regisseur wie Jack Arnold traf, die bereit waren, eine solche Idee umzusetzen. Dass Arnold seinerseits ein liberaler Geist in einem alles anderen als liberalen Umfeld war[1], konnte man schon anhand eines Films wie WITH THESE HANDS erkennen; dass er nicht gewillt war, diese Haltung aufzugeben, wurde nicht zuletzt daran deutlich, dass er bereit war, einen Stoff wie diesen in Angriff zu nehmen.

Die Haltung, die der Film gegenüber den fremdartigen Lebewesen einnimmt, ähnelt in gewisser Weise derjenigen, die einige Western in den 50ern erstmals gegenüber den Indianern zeigten, die ebenfalls nicht mehr nur als etwas Fremdartiges und Bedrohliches dargestellt wurden, sondern als menschliche Wesen, die litten, mit denen man sich verständigen, sogar anfreunden konnte. Filme wie Delmer Daves BROKEN ARROW (1950), Anthony Manns DEVIL´S DOORWAY (1950) oder auch Robert D. Webbs WHITE FEATHER (1955) zeugten von einem sich wandelnden Verständnis in einem vermeintlich erzkonservativen Genre; IT CAME FROM OUTER SPACE, wie zuvor eben auch schon THE DAY THE EARTH STOOD STILL, ließen ein sich wandelndes Bewusstsein hinsichtlich des ideologischen Gegners erkennen – auch wenn der Weg hier noch sehr, sehr weit und steinig sein sollte. Auf jeden Fall hat Arnolds Film, wie noch genauer auszuführen sein wird, noch weitere Ähnlichkeiten mit dem Western-Genre.

Nicht zuletzt aufgrund seiner liberalen Haltung stattete Arnold seine Protagonisten gern mit einem gewissen Maß philosophischen Grundverständnisses aus. Oft sind die Hauptfiguren seiner Filme Wissenschaftler, Naturwissenschaftler, die sich als Vertreter der Vernunft verstehen, dann aber erkennen müssen, dass da eben noch mehr ist als das, was sie mit Geräten auf Skalen messen und somit einhegen, klassifizieren und benennen können. Diese Männer (es sind fast immer Männer, nur selten stehen ihnen gleichberechtigt Frauen zur Seite) sind zugleich zwar häufig Skeptiker, doch einige von ihnen erliegen einer Hybris, die sie dann, ganz der Logik des Hollywood-Kinos entsprechend, das Leben kostet. Anders verhält es sich allerdings bei dem Astronomen John Putnam. Der gelangt zur Absturzstelle dessen, was auch er zunächst für einen Meteorit hält und ist doch schnell davon überzeugt, es eben doch mit etwas anderem zu tun zu haben. Er ist bei aller Skepsis eben auch ein Gläubiger, jemand, der das Außergewöhnliche, das Ungeahnte annehmen will, wenn er ihm begegnet. Und so muss er in den 80 Minuten Laufzeit ununterbrochen gegen die Ungläubigkeit seiner Mitmenschen anreden – und anfahren, muss versuchen, sie von etwas zu überzeugen, das er selbst nicht versteht.

An-fahren übrigens, weil in diesem Film sehr viel gefahren wird. Immer wieder zeigt uns die von Clifford Stine geführte Kamera, wie die Protagonisten – mal Putnam, aber auch seine Freundin Ellen, der Sheriff oder die Männer von der Telekom, die an den Überlanddrähten der Telefonleitungen arbeiten – über die endlosen und immer leeren Highways im County Sand Rock rasen. Diese Einstellungen sind ebenfalls an den Western angelehnt, wo uns immer wieder Reiter gezeigt werden, die auf den Rücken ihrer Pferde in rasendem Tempo die Prärie durchqueren. Putman versucht auf diesen Fahrten, aber auch in endlos scheinenden Dialogszenen seine Mitmenschen von den friedlichen Absichten der Außerirdischen zu überzeugen, was ihm natürlich zunächst niemand abnimmt. Eigentlich will ihm nicht einmal jemand glauben, dass es sich bei dem Objekt, dass da des Nächtens vom Himmel gefallen ist, überhaupt um etwas anderes als einen Meteoriten gehandelt haben könnte. Dabei hat Putnam – und damit auch wir, das Publikum – schon in den ersten Einstellungen an der Einschlagstelle die Bekanntschaft eines der Außerirdischen gemacht. Wenn auch noch nicht in voller „Schönheit“, aber doch so eindeutig, dass man ahnt, da ist was. Nur ist der arme John Putnam auch mit dieser Erfahrung zunächst allein.

Putnams Rolle im Script ist also eindeutig die des Wissenschaftlers, den niemand so recht ernst nimmt, der schon aufgrund der Tatsache, dass er allein in einem Häuschen vor der Stadt wohnt, als ein wenig verschroben betrachtet wird, und der nun also einerseits gegen den Unwillen seiner Umwelt zur Erkenntnis Sturm läuft, zugleich aber auch die Weisheit zu vertreten hat, dass es zwischen Himmel und Erde noch so Vieles gibt, was wir nicht begreifen. Er ist also einerseits der Vertreter der Wissenschaft, der Aufklärung, der reinen Ratio, zugleich aber auch der Skeptiker, der ahnt, noch lange nicht begriffen zu haben, wie die Dinge miteinander in Bezug stehen. Ellen unterstützt ihn, doch alle anderen – vornehmlich die Vertreter der Presse, derer es in einem solch kleinen und abgelegenen Kaff wie Sand Rock erstaunlich viele gibt, betrachtet man das Aufkommen an der Einschlagstelle des Himmelskörpers am Tag danach; mehr noch aber der Staatsmacht in Gestalt des Sheriffs Matt Warren, der beteuert, Ellen beschützen zu müssen, was nie ganz frei von Eifersucht auf Putnam ist, der das Herz der Schönen bereits zu Beginn des Films erobert hat – halten den Mann für einen Sonderling, der sie in ihrer Tatkraft und vor allem in ihrem Willen zur Tat nur aufhält. Gelegentlich verhalten diese Leute sich dann wie der Mob im Western, der zur Lynchjustiz schreitet. Sie wollen den Außerirdischen der Garaus machen, was Putnam verhindern will.

Und natürlich ist es am Ende Putnam, der sich als eigentlicher „Mann der Tat“ erweist, der im richtigen Moment die richtigen Dinge tut und – ein herrlicher Einfall des Drehbuchs und der Regie – mit sich selbst, denn auch er wurde gedoppelt, ohne dass er es überhaupt gemerkt hätte, darüber diskutiert, ob die Menschheit es wert sei, weiterleben zu dürfen. Und es ist schlussendlich ein rationaler Grund, weshalb sie dann weiterleben darf, die Menschheit: Die ganze Energie, die sie eigentlich für ihr Raumschiff brauchen darauf zu verwenden eine solch unbedeutende Spezies wie den Menschen auszulöschen, zeuge nicht gerade von Weisheit. Das sieht der Doppel-Putnam ein und so verlassen die Außerirdischen diese Welt und überlassen uns wieder uns selbst, mit all unseren kleinen und kleinlichen Problemen und Zänkereien.

Der Film wurde in der damals als letzter Schrei geltenden 3-D-Technik gedreht, wie erstaunlich viele B-Movies, deren Verwendungszweck vor allem die Autokinos und die billigen Double-Feature-Vorstellungen am Samstagabend waren. Provinzkinos, die in ebensolchen Städten standen, wie der Film sie darstellt. Im immer noch wunderbaren Titelsong der ROCKY HORROR PICTURE SHOW (1975) wird genau diesen gefrönt: At the late night/Double-Feature/Picture Show/By RKO…. und hier fand auch Arnolds Film explizite Erwähnung: Then at a deadly pace/It came from outer space/And this is how the message ran… doch ist das eine andere Geschichte. Eine Geschichte des Camps eben. Die 3-D-Effekte mögen seinerzeit gewirkt haben, heute, in Zeiten all der hypermodernen Techniken, die in Filmen wie AVATAR (2009) eingesetzt werden, kaum mehr vorstellbar bei einem schwarz-weiß-Film.

Arnold musste sich mit einem Budget von ca. 800.000 Dollar begnügen, was – trotz 3-D-Technik – selbst für ein B-Movie wenig Geld gewesen ist. Er macht aus der Not eine Tugend und verzichtet auf allzu wilde Spezialeffekte. Wie Putnam erahnen wir bei der ersten Begegnung eher, dass da etwas ist, als dass wir es sähen. Später taucht mehrmals etwas im Sichtbereich der Menschen auf, das aber kaum zu identifizieren ist. Lange lässt Arnold den Schrecken dadurch geschehen, dass er uns die subjektive Sichtweise der Außerirdischen anbietet, die wie durch ein gel-artiges Auge blickt und jedes Mal, wenn sie auf einen Menschen schaut dessen schreckensschrillen Schreie mit anhören muss. Die Wesen selbst ziehen eine seltsame glitzernde Spur hinter sich her, sind umwabert von einem nie näher durchschaubaren Nebel und ihr Auftauchen wird von Sphärenklängen begleitet. Wenn wir eines der Wesen dann schließlich zu Gesicht bekommen, ist es eher enttäuschend: Da haben wir es mit einem riesigen Kopf, gekrönt von etwas zerzaustem Haar und ausgestattet mit einem einzigen riesigen Auge zu tun. Nachgeborenen kommen unweigerlich etliche karikaturistische Comic-Adaptionen in den Sinn, die man in den U-Comix der späten 60er und der 70er Jahre gesehen hat.

Arnold konnte sich nicht gegen das Studio durchsetzen, hatte er doch ganz auf die Sichtbarkeit der Außerirdischen verzichten wollen. Er war der Meinung – eine gängige Meinung gerade unter Regisseuren des Horror- und auch des Science-Fiction-Metiers – dass der Schrecken, den das Publikum in seinem Kopf entstehen lässt, niemals durch eine Maske zu ersetzen oder gar zu übertreffen ist. Doch wie in Jacques Tourneurs NIGHT OF THE DEMON (1957) verlangte das Studio – hier die Universal, dort die Hammer Studios – ein Monster. Man muss sagen, dass der Dämon in Tourneurs Film dann aber doch etwas mehr hermacht, als dieses seltsame Wesen in IT CAME FRPM OUTER SPACE. Das nämlich muss schon zeitgenössische Zuschauer*innen eher zum Lachen animiert haben.

Die Idee, das Publikum vor allem durch das Auge des Außerirdischen blicken zu lassen, uns sozusagen dessen subjektiven Blick anzubieten, und durch diesen lediglich den Schrecken zu vermitteln, den sein Anblick wohl hervorruft, ist an sich brillant. Und sie korrespondiert mit Stines Kamerablick auf die Umgebung, in der dies alles spielt. Die Wüste Arizonas (tatsächlich die kalifornische Wüste, den Arnold drehte den Film komplett in Kalifornien), sonst häufig Kulisse für Wildwest-Geschichten, wird von Stine nahezu verfremdet eingefangen. Weit ziehen sich die Hänge der Hügel im Hintergrund, düster dräuen sie, wie eine Mondlandschaft (was natürlich nur wir so erleben können, 1953 gab es noch keine Vorstellung davon, wie die Oberflächenstruktur anderer Himmelskörper wirklich beschaffen sein könnte). Und so wirken sie sehr, sehr fremd – vor allem für die außerirdischen Besucher. Es ist dies ein weiterer Beweis dafür, wie Arnold und sein Team die Not zur Tugend machten und aus dem Wenigen, das ihnen zur Verfügung stand, sehr effektvolle Einstellungen und Szenarien destillierten.

IT CAME FROM OUTER SPACE wird heute nur noch Aficionados überzeugen. Wer mit den Dinosauriern aus JURASSIC PARK (1993ff.) oder eben den Wesen aus AVATAR aufgewachsen ist, der wird, nein, der kann sich nicht mehr von einem Film wie diesem überzeugen lassen. So sind es die über 50jährigen, die sie hin und wieder noch einmal aus Nostalgie betrachten. Und es sie diejenigen, die sich wirklich ernsthaft für die Geschichte und Entwicklung des populären Films und seiner Wechselwirkung mit der amerikanischen – oder der westlichen – Gesellschaft interessieren, die hier noch lange fündig werden dürften.

 

[1] Wobei an dieser Stelle deutlich erwähnt sei, dass auch das Hollywood der 40er und 50er Jahre, trotz aller misogyner Untertöne und oftmals harscher rechtslastiger Propaganda immer noch ein im Wesentlichen liberaler Ort war, wo immer mal wieder Themen ausprobiert und angefasst wurden, die ansonsten lieber ausgespart blieben.

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