DAS OMEN/THE OMEN

Richard Donner läßt den Leibhaftigen los

Weil er seiner Frau den Schmerz eines tot geborenen Kindes nicht zumuten will, nimmt der amerikanische Botschafter in Rom, Robert Thorn (Gregory Peck), in der Nacht der Geburt ein fremdes Kind an, zur selben Stunde geboren wie sein eigenes. Er und seine Frau ziehen das Kind auf und als sie fünf Jahre später nach London wechseln, wo Robert neuer US-Botschafter wird, scheinen sie auf eine wunderbare Zukunft zuzusteuern. Doch in England häufen sich eigenartige Vorfälle um Damien (Harvey Stephens), ihren Sohn. Eines Tages wird Robert von einem Priester angesprochen, der ihn mit Zitaten aus der Offenbarung vor etwas warnen will, das unmittelbar mit Damien zu tun habe. Bei dessen Geburtstagsfeier kommt es zu einem tragischen Zwischenfall, als sich sein Kindermädchen, scheinbar verrückt geworden, erhängt, dies zuvor allerdings für alle gut hörbar zum Liebesbeweis für das fünfjährige Kind erklärt. Nachdem die neue Gouvernante Mrs. Baylock (Billie Whitelaw) zunehmend die Versorgung Damiens übernimmt, setzt zwischen Katherine (Lee Remick), Roberts Frau, und ihrem vermeintlichen Sohn ein schleichender Entfremdungsprozeß ein. Katherine fühlt sich in Damiens Gegenwart zusehends unwohler. Als Robert erneut von dem Priester angesprochen wird und dieser klare Warnungen auch hinsichtlich Katherines ausspricht, beginnt er erstmals daran zu glauben, daß etwas nicht stimmen könnte mit Damien. Der Priester sagt ihm, seine Frau sei schwanger und Damien gedenke um jeden Preis zu verhindern, daß er einen Bruder bekommt. Robert rast mit seinem Wagen heim, doch es ist zu spät – Katherine ist einem Unfall mit Damiens Dreirad zum Opfer gefallen und liegt schwer verletzt im Krankenhaus. Als der Priester einem fürchterlichen Unfall während eines plötzlich aufkommenden Sturms zum Opfer fällt, werden Robert seine Ahnungen mehr und mehr zu Gewißheiten. Erst recht, als der Pressefotograf Keith Jennings (David Warner) an ihn herantritt. Jennings ist Thorn seit dem Vorfall mit dem Kindermädchen immer mal wieder begegnet und hat so Aufnahmen von ihm, dem Priester und auch andere Menschen in Thorns – und Damiens – Umgebung geschossen. Und ihm ist an den Aufnahmen Seltsames aufgefallen. Schatten. Und seine eigenen Nachforschungen bringen schier Unglaubliches zum Vorschein. Thorn und Jennings machen sich auf, letzte Beweise in Italien und Israel zu suchen. Robert Thorn wird eine schreckliche Entscheidung treffen müssen…

Mag es mit ROSEMARY`S BABY (1968) begonnen haben, vielleicht schon mit VILLAGE OF THE DAMNED (1960) oder THE INNOCENTS (1960), spätestens nach dem Erfolg von THE EXORCIST (1973) waren diabolische Kinder eine Erfolgsgarantie im gehobenen Mainstream-Horrorfilm. Drei Jahre dauerte es, bis mit THE OMEN (1976) der erste ernstzunehmende Konkurrent um die satanischen Superlative am Box Office auftauchte. Und erstaunlicher Weise ist das vermeintliche Plagiat der bessere Horrorfilm. Allerdings ist es auch der generell deutlich manipulativere Film. Gut durchgetaktet bietet Regisseur Richard Donner einen fast schon mechanisch anmutenden Parcours der Schrecklichkeiten, dabei sein Tempo geschickt steigernd, wobei er schon auf hohem Niveau beginnt. Seinem Zeitgeist geschuldet bietet Donner für damalige Verhältnisse recht gewagte Gewaltszenen und mutet seinem Publikum auch inhaltlich allerhand zu. Vor allem enthält er ihm gnadenlos das Happy End vor – anders als William Friedkin in seinem früheren Dämonendrama.

Donner setzt eine herrliche Geisterbahnfahrt in Gang und nutzt dabei auch die ältesten Mittel, um den Zuschauer für seine Mär einzunehmen: Ein mitternächtlicher Besuch auf dem Friedhof, der Sicherheit über den Verbleib von Thorns Kind bringen soll, wird mit seinen schiefen Grabsteinen und den efeuüberwucherten Mauern und Mausoleen zu einer (ungewollten?) Reminiszenz an Roger Cormans Poe-Verfilmungen der 60er Jahre; Mrs. Baylock – wie auch ihr Schützling – weiß ihr bösartiges Lächeln, das immer die Tendenz zum bösartigen Grinsen hat, kaum zu unterdrücken; Damien präsentiert uns an einigen Stellen sogar eine an ein verkrampft-freudiges Lächeln erinnernde Grimasse, während Mrs. Baylock das Diabolische ihres Auftritts mit angemessen starrem Blick zu unterstreichen versteht; Tiere sind dem kleinen Teufel entweder zu Diensten oder sie fliehen vor ihm und Empathie – je länger der Film dauert umso deutlicher wir dies – ist Damien vollkommen fremd; es werden wilde Rituale beschworen und mehrmals wird genüßlich darauf hingewiesen, daß Thorn den Leib Christi zu essen und dessen Blut zu trinken habe. So grauslich altbacken diese Zutaten zunächst wirken, gelingt es Donner dennoch, dies alles – eingebettet in eine sich organisch entfaltende Story, die in ihrer eigenen Logik bis auf Marginalien funktioniert – so miteinander zu verketten, daß der Zuschauer einerseits in einem recht eisernen Takt gehalten wird, der ihm kaum Zeit zum Verschnaufen, andererseits aber auch nie Fragen aufkommen läßt dort, wo die Story wirklich dünn zu werden droht.

Hinzu kommt, daß Donner sein Handwerk versteht und nicht nur eine von Beginn an düstere Atmosphäre schafft, die der Geschichte direkt das Schicksalhafte einer Moritat gibt, sondern seine Schocks exakt und damit effektiv – fast zynisch, muß man sagen; ein Vorwurf, den Donner später noch öfter zu hören bekam – zu setzen weiß. Und die haben es in sich. Ohne daß er es mit der sich damals anbahnenden Gewalt des immer härter werdenden Splattergenres aufnehmen wollte, setzt THE OMEN mit rhythmischer Präzision Schockmomente, wobei er einem Publikum recht derbe Effekte präsentiert, daß solches damals noch nicht gewohnt war. Da ist der Film, wie in seinem Willen, auf der Bugwelle des EXORCIST zu reiten, sehr im Umgang mit seinen manipulativen Mitteln. Er kündigte marktschreierisch die ärgsten Sensationen an – der Film hatte ein enormes Werbebudget und ist ein frühes Beispiel, wie Marketing eben sehr wohl den Erfolg eines Films „machen“ kann – und musste dann natürlich auch liefern. Und das tat er.

Aber es zeigt eben die Klasse des Regisseurs, wenn aus der Summe dieser Einzelteile, die auch damals schon als arge Klischees erkennbar waren, dann eben doch ein überzeugendes Ganzes wird. Donner insistierte gegenüber der 20th Century Fox auf einem Budgetüberschuß, damit er den Komponisten Jerry Goldsmith für den Score beauftragen konnte. Dessen Musik ist für den Erfolg des Films ganz wesentlich. Wenn die Chöre anheben, um der Narration einen religiös-transzendenten Überbau zu verleihen, wenn der Rhythmus ihres fast stöhnend ausgehauchten ‚Ave Satani‘ immer drängender wird, dann beschleunigt der Puls ganz automatisch. Diese Musik, an Orff geschult und erinnernd, begleitet die Bilder, die, ob am Tage oder in der Dämmerung oder gar in der Nacht aufgenommen, immer eine gewisse Trostlosigkeit ausströmen, bevor sie – gerade die Innenaufnahmen, die in ihren Schatteneffekten damit spielen, daß Bildhintergründe flächig werden oder einfach im Dunkel entschwinden – immer bedrohlicher und schließlich nahezu unerträglich werden, so nah rücken die Bildränder an die Figuren heran. Es ist nicht das enge Auto selbst, das Peck bedrängt auf seiner rasenden Fahrt heim oder schließlich mit Damien in die Kirche, wo er alles zu einem Ende bringen will. Es ist die Dunkelheit, die Kadrierung der Bilder selbst, die Peck keine Luft mehr läßt zum Atmen. Momentweise wirkt THE OMEN fast klaustrophobisch, gibt es doch kein Entkommen mehr aus diesen Räumen, selbst den offenen, die dann aber wolkenverhangen und unüberwindlich in ihrer Weite sind; doch gibt es ebenso kein Entrinnen aus dieser Narration. Je deutlicher Robert Thorn sieht, was es mit seinem „Sohn“ auf sich hat, ja, wie weit die Verschwörung reicht, ausgerechnet ihm, seiner Familie, diesen Jungen unterzuschieben, desto mehr begreifen wir, die Zuschauer, daß es gar kein Entrinnen geben kann. Diese Geschichte steuert auf ihr Ende hin wie eine antike Tragödie. Ein Großteil des Horrors dieses Films macht genau diese Erkenntnis aus, die Goldsmith Score in ihrer ganzen Drastik permanent unterstreicht. Und sowohl den Bildern, noch der Musik und schließlich erst recht der Erkenntnis kann man sich nur schwerlich entziehen.

Geschickt setzt Donner sein Personal ein. Gregory Peck, damals knapp 60jährig, ist als Robert Thorn exakt der distinguierte Gentleman, den man sich als Botschafter der USA in England so vorstellt. Und Gregory Peck ist ja selbst ein äußerst eleganter und distinguierter Herr gewesen. Noch immer außergewöhnlich gut aussehend, ist gerade der Wandel Robert Thorns in Gestalt Gregory Pecks ein weiteres Puzzleteil des Grauens, das der Film verbreitet. Lee Remick, mit weitaus weniger Strahlkraft ausgestattet als Peck, ergänzt den männlichen, klar dominierenden Star gut. Viel hat sie allerdings auch nicht zu tun. Doch ist es die Aura des gepflegte Langeweile ausstrahlenden Upper-Class-Paares, die so massiv mit der Bedrohung durch das, was Damien wohl ist, kollidiert, die angegriffen wird und solchermaßen angegriffen uns, den Zuschauern, den sicheren Boden wegzieht. Die Verunsicherung, die der Film erreicht, hat viel mit den immer auf Effekt ausgelegten Gesten, Blicken und Ritualen zu tun, die die Welt der Thorns bestimmen, die angegriffen und außer Kraft gesetzt wird.

Mag THE EXORCIST den deutlich interessanteren Subtext, den deutlich höheren Überschuß an Bedeutungsebenen haben – will man sich einfach ein wenig gruseln, sich ein wenig wärmen am Lagerfeuer der grausigen Mär, die uns zwar die prekäre Unsicherheit unseres Daseins vor Augen führt, zugleich jedoch versichert, daß es noch nicht ganz so weit ist, wäre doch sonst eine solche Geschichte zu erzählen kaum mehr möglich – will man also einfach den Schauer spüren und mit einem Vater mitfiebern, der, einem biblischen Abraham gleich seinen Sohn wird opfern müssen – dann ist man in den ebenso exploitativen wie überaus manipulativen Händen eines Richard Donner weitaus besser aufgehoben, als auf den grüblerischen Pfaden seines Vorgängers im Regiestuhl des älteren Teufelstanzes. THE OMEN funktioniert auch nahezu 40 Jahre nach seiner Erstaufführung auf erstaunlich gute Art und Weise. Teuflisch gut, sozusagen…

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