IN EINER KLEINEN STADT/NEEDFUL THINGS

Eine der besseren Stephen-King-Verfilmungen

An einem stürmischen Tag kommt Leland Gaunt (Max von Sydow) in einem schwarzen Oldtimer in die Kleinstadt Castle Rock, gelegen in Maine. Hier eröffnet er einen Antiquitätenladen, in dem es „nützliche Dinge“ (needful things) zu erstehen gibt. Der erste Kunde ist Brian Rusk (Shane Meier), ein Junge, der wegen des Todes seines Vaters emotional angeschlagen ist. Für ihn hat Gaunt eine sehr wertvolle Baseball-Sammelkarte, die Brian und seinem Vater immer in ihrer Sammlung gefehlt hatte. Die Karte ist auch noch extra für Brian signiert. Natürlich kann der Junge sich die Karte, eine Rarität, nicht leisten. So gibt Gaunt sie ihm für ein paar Cent, wenn Brian im Gegenzug bereit ist, einer Bewohnerin der Stadt einen Streich zu spielen. Brian erklärt sich einverstanden.

So beginnt Gaunt sein Werk: Für jeden Bewohner der Stadt findet sich in seinem Laden das richtige Objekt. Der eine findet die College-Jacke, die ihn wieder in seine Jugendzeit versetzt, die andere eine Figurine, die sie einst besaß, bis ihr mittlerweile verstorbener Gatte sie in einem seiner cholerischen Anfälle zerstört hatte, einer findet eine Spielzeugmaschine, die ihm hilft, Pferdewetten zu platzieren und der nächste das T-Shirt seiner Lieblingsband. Lediglich Sheriff Alan Pangborn (Ed Harris) stattet dem Laden zwar einen Besuch ab, da man das als Vertreter der Stadt eben so macht bei Neuankömmlingen, doch bleibt er unbeeindruckt von Gaunts Verlockungen. Was ihm allerdings auffällt: Seit Gaunt in der Stadt ist, nehmen die Streitereien zwischen den Menschen zu. Streiche und kleine Gehässigkeiten treiben Keile zwischen Nachbarn, die sich zuvor zwar auch nicht immer verstanden haben, jedoch nie dem andern nach dem Leben trachteten.

Pangborns Freundin, die Kellnerin Polly Chalmers (Bonnie Bedelia), die durch Gaunt ein Amulett erhalten hat, das ihr Linderung verschafft, leidet sie doch unter unerträglichen Schmerzen aufgrund ihrer Arthritis, nimmt ebenfalls wahr, daß sich etwas Grundlegendes in der Stadt verändert hat. Als der Streit zwischen ihrer Freundin Nettie Cobb (Amanda Plummer), einer etwas seltsam wirkenden Dame, die im Verdacht steht, einst ihren Ehemann eben wegen dessen cholerischer Ausfälle getötet zu haben, und Wilma Wadlowski Jerzyck (Valri Bromfield) eskaliert und die beiden Frauen sich schließlich in einem gegenseitigen Angriff umbringen, begreifen sowohl Pangborn als auch Polly, daß etwas Außergewöhnliches vorgeht.

Derweil nutzt der Bootshersteller Danforth „Buster“ Keeton III (J.T. Walsh) die Spielzeugrennbahn, um mit deren (übernatürlicher) Hilfe seine Wettschulden zu begleichen. Keeton, der in der Stadt eine große Rolle spielt, ist er doch vermeintlich einer der reichsten Männer in Castle Rock, hat sich in der Stadtkasse bedient, um seine bisherigen Schulden zu zahlen und muß den Fehlbetrag nun – eine Revision steht an – schnell zurückzahlen. Er steht unter zunehmenden Druck, wofür Gaunt vollstes Verständnis hat.

Gaunt durchschaut die Beziehungen und Aversionen in der Stadt schnell und seine Streiche, die er als Bezahlung für die Gegenstände in seinem Laden, die sich im Grunde niemand in der Stadt leisten kann, verlangt, sind immer so angelegt, daß der Verdacht auf die Falschen fällt. Das Chaos und der Unfrieden in Castle Rock steigen zusehends.

Pangborn versucht, die Zusammenhänge aufzuklären und ahnt immer mehr, daß die Entwicklungen mit Gaunts Laden zu tun haben. Eines Tages trifft er auf Brian, der sich dem Tatort genähert hat, wo Nettie und Wilma sich gegenseitig töteten. Er weiß, daß er mitverantwortlich ist für das, was geschah. Brian verspricht sich gegenüber dem Sheriff. Pangborn sucht und stellt den Jungen, der sich fest in der Hand Gaunts wähnt. Brian erklärt, Gaunt sei kein Mensch, sondern ein Monster. Er hat sich eine Waffe besorgt, die ihm, ebenfalls auf Anweisung Gaunts, von einem anderen Bewohner der Stadt übergeben wurde, und will sich erschießen. Pangborn kann das gerade noch verhindern.

Je näher Pangborn dem Antiquitätenhändler ermittlungstechnisch kommt, desto weiter lässt der die Situation eskalieren. Er hat die Kontrolle über Keeton übernommen und animiert diesen, indem er ihm einen Sprengstoffgürtel übergibt, einen erweiterten Selbstmord zu begehen, bei dem die halbe Stadt zerstört würde.

Es kommt schließlich zu einem Showdown mitten auf der Hauptstraße, an der sowohl Pollys Café als auch Gaunts Laden liegen. Pangborn kann die Stadtbewohner schließlich davon überzeugen, daß Gaunt allein die Verantwortung für das trägt, was in Castle Rock geschehen ist. Nach und nach gibt jeder Bewohner zu, wem er welchen Streich gespielt hat. Gaunt erscheint höchstpersönlich auf der Veranda seines Ladens und erklärt den Bewohnern der Stadt, daß sie alle schwach seien, eben Menschen, verführbar und immer bereit, ihrem Nächsten zu schaden. Sie alle hätten den Tod verdient. Und um diesen zu bringen, habe er „Buster“ Keeton, der seinen Spitznamen hasst und für den Gebrauch desselben bereits seine Frau getötet hat, beauftragt, die Aufgabe zu übernehmen, die Stadt dem Erdboden gleich zu machen.

Doch Keeton begreift im letzten Moment, daß er zu Gaunts Instrument geworden ist. Er rennt in dessen Laden und rammt den Mann, der scheinbar kein menschliches Wesen ist, sondern der Teufel höchstpersönlich – Gaunt hat zuvor gegenüber einzelnen Bewohnern von Castle Rock bereits Andeutungen gemacht, wer er ist und wo er in der Menschheitsgeschichte schon überall war und seine Finger im Spiel hatte – derart, daß er mit in den Laden fällt. Dann zündet Keeton den Sprengstoff und jagt das ganze Haus, in dem sich Gaunts Laden befindet, in die Luft.

Als sich der Rauch legt kommt Gaunt, vollkommen unversehrt, aus den Trümmern und Flammen hervor. Er erklärt vor den entgeisterten Zuschauern dieses Spektakels, daß seine Aufgabe in Castle Rock nicht sein bestes Werk gewesen sei, er aber Zeit habe und einst zurückkehren werde, um seine Aufgabe zu Ende zu bringen. Dann prophezeiht er einigen Einwohnern Teile ihrer Zukunft, darunter Pangborn, dessen Enkel er, Gaunt, einst im Jahr 2053 in Jakarta treffen und mit ihm gemeinsam Geschichte schreiben werde. Dann steigt Leland Gaunt in seinen altmodischen Wagen und fährt davon.

Als 1993 die Verfilmung des Stephen-King-Romans NEEDFUL THINGS (veröffentlicht 1991) unter dem gleichen Titel erschien, ließ die Kritik wenig Gutes daran. Zu viele King-Verfilmungen hatten in den 80er und frühen 90er Jahren die Kinos geflutet, zu wenige davon konnten überzeugen. Und wenn, dann waren entweder Großmeister des Kinos, wie Stanley Kubrick (THE SHINING/1980) beteiligt oder es wurden eher nicht unmittelbar dem Horrorgenre zuzurechnende Stories verfilmt, wie bspw. in Rob Reiners STAND BY ME (1986). Bedenkt man die Qualität einiger der Werke, die auf King-Vorlagen beruhen, kann man die Vorbehalte durchaus verstehen. Allerdings bedarf es bei einigen der entstandenen Filme doch einer Neubewertung mit dem gebotenen zeitlichen Abstand. Und siehe da – einige schneiden weitaus besser ab, als es die zeitgenössischen Kritiker wahrhaben wollten. Dazu zählt NEEDFUL THINGS (1993), der seinerseits neben dem schlechten Leumund, eine King-Verfilmung zu sein, darunter litt, daß er in einer stark gekürzten Fassung in die Kinos gebracht wurde.

Vor allem fällt heute auf, daß der Film eine außergewöhnlich gute Besetzung aufweist. Max von Sydow, Ed Harris, Amanda Plummer, J.T. Walsh oder Bonnie Bedelia sind dabei nur die geläufigsten Namen. Doch auch in den Nebenrollen ist der Film sehr gut besetzt. Regie führte Charlton Hestons Sohn Fraser Clarke Heston, der zuvor vor allem als Drehbuchautor und gelegentlich auch als Regisseur in Erscheinung getreten war. Das Drehbuch hatte W.D. Richter verfasst, der zuvor immerhin die Scripts zu Kassenschlagern wie Philip Kaufmans Neuinterpretation des Sci-Fi-Klassikers INVASION OF THE BODY SNATCHERS (1978) oder des Robert-Redford-Vehikels BRUBAKER (1980) geschrieben hatte. Richter hatte Kings fast 900 Seiten umfassendes Buch in ein Drehbuch gefasst, das den wesentlichen Aspekten des Romans gerecht wurde, die Flut an Nebenfiguren ein wenig eindämmte, sich aber Zeit und Raum nahm, die Einwohner von Castle Rock, wo die Geschichte spielt, vorzustellen und zu charakterisieren. Daß einige dieser Figuren durchaus klischeehaft gerieten, ist eher der Vorlage geschuldet, da King gern auf einmal bewährte Muster zurückgreift, um die Kleinstadtbürger, die seine Romane in großer Zahl bevölkern, zu beschreiben. Richter gelingt es allerdings, die Handlung so zu straffen, daß sie filmgerecht Spannung erzeugt und nah an ihrem eigentlichen Gegenstand bleibt.

Dieser Gegenstand ist letztlich der Leibhaftige selbst, der in die den deutschen Titel gebende „kleine Stadt“ kommt und dort einen Kuriositätenladen eröffnet, der für jeden Einwohner das richtige Objekt zu bieten hat. Leider sind viele dieser Gegenstände teuer. Nur ist Leland Gaunt, so der Name des eigenartigen Antiquitätenhändlers, weniger an Geld interessiert, sondern an Leistungen. Er bittet einen jeden, der in seinem Laden etwas erstehen will, um einen kleinen Gefallen – und zwar sind dies Streiche, die der Betreffende einem anderen Bewohner der Stadt spielen soll. Und so stiftet Gaunt nach und nach Chaos in Castle Rock. Er bringt langjährige Freunde und Nachbarn gegeneinander auf, er spaltet und treibt Keile in die Gesellschaft einer Kleinstadt, in der jeder jeden kennt, in der man allgemein gut miteinander auskommt und die, die eher am Rande der Gesellschaft stehen, irgendwie mitgenommen werden. Doch nun ist´s vorbei mit der Ruhe und dem Frieden.

Die Kleinstadt ist ein Lebensthema für Stephen King. Die Provinz, wenn man so will – bei ihm meist an der Ostküste in den Wäldern Maines gelegen – bedeutet für ihn grundlegend jenes Amerika, welches es nicht mehr gibt, wahrscheinlich so auch nie gegeben hat: Ein unschuldiges Land, in dem ehrliche Menschen ehrliche Arbeit abliefern und ansonsten einander sein lassen. Ein Amerika, das von Kings Generation gern in jenen Jahren verortet wird, in denen sie selbst jung war, also den 50er und frühen 60er Jahren. Ein Amerika, das urplötzlich am 22. November 1963 an der Dealy Plaza in Dallas, Texas, gemeinsam mit dem Präsidenten ermordet wurde. Danach, so die Mythisierung jener Jahre, begannen die Probleme, die Amerika auch heute noch plagen: Die angebliche Übernahme des Staates durch im Hintergrund wirkende Mächte, die ihre Netze zwischen Industrie, Militär, den Geheimdiensten und der Mafia spinnen, die Unruhen, die Drogen, die Verwahrlosung der Städte, die moralische Verkommenheit, die Verunsicherung usw. Dem setzt King oft die Kleinstadtidylle entgegen. Allerdings mißtraut er diesem Idyll von allem Anfang an. Auch in diesen Kleinstädten leben Alkoholiker und Junkies, sind Doppelmoral und Bigotterie zuhause, gibt es häusliche Gewalt und Verkommenheit. Und zwar zuhauf. In diese unterschwellige Melange lässt King dann gern das Unheimliche, oft Übernatürliches, eintröpfeln, bis die Gemeinschaft wankt, Erstaunlich häufig setzt er auf Höhepunkte, bei denen gleich ganze Straßenzüge, wenn nicht die halbe Stadt in Schutt und Asche gelegt werden. Und er zeigt, daß das Böse immer darauf angewiesen ist, daß Menschen bereit sind, sich willfährig zeigen, sich den Verlockungen hinzugeben.

In NEEDFUL THINGS lässt King seine vielen, vielen Kleinstadtgeschichten sozusagen im letzt denkbaren Grauen kulminieren – das Böse, das sonst ES, Pennywise oder Cujo heißt und die verschiedensten Formen annehmen kann, ist nun endlich dort, wo es traditionell herkommt, beim Teufel höchstpersönlich. Der hier übrigens eher wie die Version aus Miltons LOST PARADISE erscheint, als daß er an all die drittklassigen Schauergestalten aus Horrorfilmen der 80er Jahre erinnert. Darin ist er Louis Cypher aus Allan Parkers ANGEL HEART (1987) oder John Milton (sic!) in Taylor Hackfords THE DEVIL´S ACVOCATE (1997) verwandt. Leland Gaunt ist ein Gentleman, der gut und gern einmal ein Dandy gewesen sein könnte. Er ist charmant und erkennt schnell bei jedem seiner Besucher, wo der Schmerz, wo der geheime Wunsch verborgen liegt. Er durchschaut die kleinen Gehässigkeiten und Feindschaften, er versteht, wer wem spinnefeind ist und welche Beziehungen er zuerst erschüttern oder gar zerstören muß, um Unfrieden zu stiften. Dabei wird er nie grob oder gar offen bedrohlich. Vielmehr fordert er lediglich mit einer Art natürlichen Autorität ein, was seine Kunden versprochen haben für ihn zu tun. Wenn Sheriff Pangborn ihn schließlich zur Rede stellt, macht Gaunt keinen Hehl aus seiner Verachtung für den Menschen und dessen kleinliches Begehren. Er erklärt, daß ein jeder Bestrafung, letztlich den Tod verdient habe. Der Mensch ist schwach, verführbar und immer bereit seinem Nächsten zu schaden – q.e.d.

Nun hat die Stadt Castle Rock, der inoffiziell ein ganzer Zyklus des King´schen Werkes gewidmet ist, schon einiges erlebt. Die Stadt ist Kulisse etlicher Romane und Kurzgeschichten und wird in etlichen anderen Werken zumindest erwähnt. In NEEDFUL THINGS dringt King – und ihm folgend auch der Film – direkt in das Wesen dieser Gemeinschaften vor, macht den Kleinstadtmief, die soziale Kontrolle, die Gerüchte und den Tratsch, der das Leben in solchen Provinzgemeinschaften bestimmt – zumindest im Klischee – zum eigentlichen Thema seines Romans. Leland Gaunt macht sich also exakt die Schattenseiten dessen zunutze, was die Kleinstadt angeblich zum besseren Amerika macht: Daß man sich kennt, um die kleinen Schmutzeleien des andern weiß, Fünfe mal grade sein lässt, sich gegenseitig hilft, einander unter die Arme greift. Seine Mission, wenn man so will, funktioniert nur in der Provinz, wo die Menschen noch gottesfürchtig – und also auch teufelsgläubig – sind und der Reverend der katholischen Kirche und sein baptistisches Pendant einen Glaubenskrieg aufführen, den zwar niemand ernst nimmt, den ein Mann wie Gaunt aber trefflich zu nutzen versteht, um aus einem folkloristischen Zwist tödlichen Ernst werden zu lassen. Überhaupt werden die Streiche, die er von seinen Kunden verlangt, immer drastischer und zerren zugleich immer hässlichere Aspekte und Seiten dieser Kleinstadt und ihrer Bewohner ans Tageslicht. Gaunt konfrontiert die Menschen in Castle Rock mit diesen Schattenseiten ihres Lebens und den Bedingungen, die es bestimmen. Und schlußendlich müssen sich all diese Menschen ihrer eigenen Schuldigkeit, ihrer Kleingeistigkeit und Engstirnigkeit stellen. So gesehen verfolgt er geradezu ein didaktisches Programm.

Während King diese Geschichte breit auswalzt, sich viel Zeit nimmt, Figuren und Stadt zu beschreiben, konzentriert sich der Film, wie bereits erwähnt, auf die Kernhandlung. Buch und Regie gelingen dennoch gute Charakterisierungen. Spannung wird hier eher schleichend generiert, besteht der „Horror“ sowohl des Buchs als auch des Films doch darin, daß wir es eben wirklich mit dem Teufel zu tun haben. Schrecklicher allerdings ist die Tatsache, was Menschen, die einander ihr Leben lang kennen, einander plötzlich antun können. Wir sind verführbar, sobald wir glauben, unsere großen und kleinen Träume endlich erreichen zu können. Nur um dann feststellen zu müssen, daß der Sinnspruch Protect me from what I want mehr Wahrheit enthält als uns recht sein kann. Denn mit der Erfüllung von Wünschen geht auch immer Ernüchterung einher. Und es kommen Gewissensbisse ins Spiel, wenn diese Träume auf Kosten anderer erfüllt wurden.

Heston hat den Stoff gut im Griff und inszeniert das Ganze straff. Er weiß, auf wessen Schultern er steht und verweist bereits mit dem Vorspann, der mit einem atemberaubenden Flug über die Küste Maines beginnt und schließlich in rasendem Tempo auf dem Highway nach Castle Rock hinein endet, auf die berühmte Eröffnungssequenz in Kubricks THE SHINING. Auch in anderen Szenen erweist Heston seine Referenz gegenüber früheren King-Verfilmungen. Und was im Grunde für alle King-Verfilmungen gilt, für sie guten allemal, erfüllt auch NEEDFUL THINGS: Er bietet gutes Americana. Er feiert eben auch jene amerikanische Alltagskultur, die bei den Autos anfängt, über das Neonlicht auf der Hauptstraße am Abend sich fortsetzt und noch lange nicht bei den Jukeboxen in den Bars endet. So gesehen, ist Gaunts Angriff auf Castle Rock eben auch ein Angriff auf eben jene Alltagskultur. Aber dieser Angriff ist zugleich auch die Offenlegung der hässlichen Fratze dieser Alltagskultur.

Allerdings ist der gut zweistündigen Kinofassung des Films anzumerken, daß sie für die Leinwand zusammengeschnitten wurde. Die über eine Stunde längere TV-Fassung kommt dem Roman näher, malt die Figuren deutlicher aus, nimmt einige Umwege und nimmt sich generell mehr Zeit, obwohl sich auch diese längere Version immer noch recht eng am roten Faden entlang bewegt. Definitiv ist sie der Kinofassung aber vorzuziehen. In der kürzeren Fassung ist einiges nur schwer nachvollziehbar, wird bspw. in Dialogen Bezug auf Vorkommnisse genommen, die wir nicht gesehen haben und die auch nie erwähnt wurden, einige Anschlüsse sind holprig, manche Wendung in der Story ist nicht nachvollziehbar, an manchen Stellen wirkt der Film plötzlich zu schnell, zu plötzlich und droht damit sein Tempo zu stören. Im Falle des jungen Brian, Gaunts erstem „Opfer“, ist das eklatant, da seine Geschichte für Kings Handlung wesentlich ist. Im Film bleibt sein Schicksal eher nebensächlich, während es im Buch eine der Haupthandlungen darstellt und Brians Verführbarkeit, die der Junge mit fürchterlichen Gewissensbissen bezahlt, überhaupt erst erklärt. Es mag an solchen und ähnlichen Umständen gelegen haben, daß der Film zunächst eher negative Kritiken bekam. Seine Klasse als Stephen-King-Verfilmung entfaltet er eben erst in der TV-Fassung.

NEEDFUL THINGS kann aber – eben auch mit dem zeitlichen Abstand von nahezu 20 Jahren betrachtet – gerade als King-Verfilmung überzeugen, weil hier der Geist des Autors erhalten bleibt. Der Horror kommt schleichend, Heston verzichtet weitgehend auf Schocks und Schauereffekte und verlässt sich auf seine Darsteller und deren Fähigkeiten, das Grauen zu vermitteln, das über Castle Rock kommt. Allen voran gilt dies für den Jahrhundertschauspieler Max von Sydow, dem es gelingt, diesen Leland Gaunt verführerisch freundlich und zugewandt und zugleich bedrohlich wirken zu lassen. Selbst wenn er enttarnt ist, behält er seine Contenance, seine Autorität und letztlich auch die Kontrolle über das, was geschieht. Das beweist er, wenn er am Ende des Films im nun auch physischen Chaos einfach wieder in seinen Wagen steigt und davonfährt.

So kann man NEEDFUL THINGS nicht nur zu den besseren Verfilmungen der Werke Stephen Kings zählen, sondern auch zu den besseren Gruselfilmen der 90er Jahre. Hier wird ganz konventionell, old school sozusagen, nicht auf Blut, Ekel und Pein gesetzt, sondern auf Andeutungen, Hinweise und die Phantasie des Zuschauers. Das ist dem Film und seinen Machern hoch anzurechnen und vor allem überrascht auch heute noch, wie gut das funktioniert.

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